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Wo die Zitronen blühen: Der Gardasee
Mit seinem kristallklar leuchtenden Wasser zwischen gen Himmel stürmenden Gipfeln ist der Gardasee atemberaubend schön. Hier, an der "Riviera der Oliven", gedeihen dank des einzigartig milden Klimas sogar Zitronen, die man sonst erst weit im Süden wieder findet. Der Zitronenanbau ist allerdings mühsam, und mit der Entdeckung des Tourismus als Einnahmequelle stellten mehr und mehr Bauern die strapaziöse Arbeit ein. So findet man heute nur noch wenige Plantagen, z.B. am Westufer südlich von Limone oder am Kastell von Torri del Benaco. Der Olivenanbau ist jedoch auch heute noch prägend und das am Gardasee produzierte Öl genießt einen hervorragenden Ruf. Und natürlich ist die Region auch berühmt für ihre Weine, allen voran der Bardolino und der Valoplicella aus dem Hinterland zwischen Gardasee und Verona. In den kleinen, feinen Weinläden am Gardasee, aber auch direkt bei den Winzern lassen sich hervorragende Tropfen aufstöbern, die sich deutlich von den auch bei uns angebotenen Massenproduktionsweinen unterscheiden.
Goethe erklärte den Gardasee zum "größten Wunder der Schöpfung". Man mag sich darüber streiten, ob er mit diesem Ausspruch beim wahrhaft überwältigenden Ausblick über den leuchtendblauen See in seiner Euphorie zu weit gegangen ist - unbestreitbar ist dieser See von faszinierender Schönheit und sucht seinesgleichen auf der Welt. Die Orientale (Ostseite) liegt am Fuße des mächtigen Massivs des Monte Baldo, an dessen Hängen sich Olivenhaine emporziehen. Von Malcesine aus führt eine Bergbahn hinauf. Oben kommt man in den Genuss einer großartigen Aussicht über den See. Hier kann man Spaziergänge oder ausgedehnte Wanderungen in typisch alpiner Umgebung machen. Im Winter bieten sich die weiten Abhänge zum Skifahren an, während man unten im Tal unter Palmen spaziert. In ca. 1200 m Höhe gibt es einen botanischen Garten mit rund 600 verschiedenen Alpenblumen. Der Monte Baldo weist die artenreichste Flora der Alpen auf und ist deshalb ein Eldorado für Blumenfreunde.
Wie Perlen an der Kette reihen sich romantische Ortschaften an die Ufer des Sees, deren Zauber selbst der Tourismus unserer Tage nicht beschädigen konnte. Die Silhouette von Malcesine dominiert das imposante Scaligerkastell vor den mächtigen, schroffen Felsen der gegenüber liegenden Berge. Goethe ist sein Besuch in Malcesine wohl in nicht ganz erfreulicher Erinnerung geblieben, wurde er doch bei der Besichtigung des Kastells unter Spionageverdacht verhaftet. Er hatte Glück, denn ein Malcesiner, der längere Zeit in Frankfurt gearbeitet hatte - wohl einer der ersten italienischen Gastarbeiter in Deutschland -, erkannte ihn und sorgte für seine rasche Rehabilitierung. Heute kann man das Kastell ohne solche Gefahr besichtigen und zu seinen Zinnen hinaufsteigen.
Besonders malerisch ist der kleine Fischereihafen von Torri del Benaco. Leise schaukeln bunte Fischerboote auf den Wellen. Gerahmt von romantischen Häusern und südländischem Flair scheint der Hafen einer Operettenkulisse entsprungen zu sein. In den kleinen Gässchen lassen sich beim Bummeln hübsche kleine Läden mit Spezialitäten oder Kunsthandwerk entdecken. An der Uferpromenade laden Restaurants und Pizzerien zum Genuss der regionalen Spezialitäten vor spektakulärer Kulisse ein.
Garda, das sich zwischen Zypressen, Oliven und Oleander schmiegt, strahlt dank der venezianischen Villen, deren Gärten sich zum Ufer hin neigen, eine mondäne Atmosphäre aus. Wie das Modell einer historischen Uferstadt wirkt das zauberhafte Lazise zwischen Stadtmauern, Hafendamm und Schloss aus dem 14. Jahrhundert. Sirmiones enges Konglomerat mittelalterlicher Steinhäuser liegt im Schutze einer mächtigen Scaligerburg vor einer grünen Halbinsel, an deren Spitze sich die Reste einer „Grotte des Catull“ genannten römischen Villa aus dem 4. Jh. befinden. Der römische Dichter Catull lebte tatsächlich in Sirmione, wenn auch nicht in dieser Villa. Trotzdem ein interessanter archäologischer Ausflug!
Fährt man die Uferstraße rund um den See entlang, eröffnen sich in jeder Kurve neue Aussichten, so atemberaubend, dass keine Schilderung ihrer Wirklichkeit gerecht zu werden vermag. Eine besonders abenteuerliche Straße ist die Gardesana Occidentale am Westufer des Sees. 2000 Arbeiter mussten dreißig Monate lang hart daran arbeiten. Erst 1931 wurde die Straße eröffnet, die mit ihren 70 Tunneln auf nur 40 Kilometer Strecke damals eine Meisterleistung im Straßenbau darstellte. Solch ein Aufwand war nötig, denn viele der gewaltigen Felswände münden senkrecht in den See. Vor dem Bau der Gardesana Occidentale waren viele Orte nur vom See aus mit dem Schiff zu erreichen. Die Gardesana zählt heute zu den Traumstraßen der Welt.
In schwindelnder Höhe thront über dem Westufer die Hochebene von Tremosine. Der Hauptort Pieve liegt 460 m über dem Gardasee, von der Panoramaterrasse aus fallen die Felswände steil zum See hin ab, Balkone und Terrassen hängen frei über dem Abgrund und laden Mutige zum Besuch ein.
Nördlich von Riva findet man den Wasserfall von Varone. Sein Wasser stammt vom 8 km entfernten Tennosee und sucht sich seinen Weg zum tiefer gelegenen Gardasee. Hier bei Varone stürzen die Wassermassen 100 m in die Tiefe. Der Wasserfall verläuft in einer engen Klamm, was ihn zu einem grandiosen Naturschauspiel macht.
Weinfeste, Feuerwerke, Märkte, Konzerte, Regatten und zahllose andere Veranstaltungen lassen am Gardasee keine Langeweile aufkommen. Es gibt viele interessante Museen und mittelalterliche Kastelle. Sehenswerte Städte wie Verona, Mailand, Vicenza oder Venedig sind besonders vom Süd- und Ostufer aus leicht zu erreichen. Die jüngeren Gardaseebesucher genießen den Vergnügungspark Gardaland, den Wasserfreizeitpark Caneva oder den Parco Natura Viva mit Safaripfaden und Saurierland. Gartenfreunde erfreut der Giardino Sigurtà, und wer sich für Kurioses interessiert, sollte das Vittoriale des Dichters Gabriele d´Annunzio besuchen. Umgeben von einem wunderschönen Park entdeckt man ein ganzes Schiff, ein griechisches Theater (mit fantastischer Aussicht), ein Flugzeug, eine elegante Limousine, einen Tempel, die luxuriöse Villa, ein Museum sowie das Mausoleum, das Gabriele d`Annunzios letzte Ruhestätte wurde. Der nahe davon liegende Giardino Botanico, im Besitz von Andre Heller, ist ein Phantasiegarten mit famoser Flora sowie Kunstwerken von Roy Lichtenstein, Keith Haring und Mimo Palladino.
Seit kurzem ist die Isola del Garda, die Jahrzehnte lang für Besucher gesperrt war, wieder zugänglich. Sie liegt wie eine Banane vor der Bucht von Saló im Südwesten des Sees. Stufenförmig angelegte Zypressen geben ihr die Silhouette von Zinnen, Zacken und Spitzen. In ihrer Mitte dominiert das 1903 im neogotisch-venezianischen Stil erbaute Schloss. Treppen, Terrassen und Gärten fallen zum See hin ab – umgeben von einer üppigen, scheinbar unberührten Vegetation. Einheimische und exotische Pflanzen, Kiefern, Zypressen, Akazien und Zitronenbäume, Magnolien und Agaven vereinen sich zu einem Ort von seltener Schönheit.
All diese Besonderheiten machen den Gardasee zu einem attraktiven und abwechslungsreichen Reiseziel. In den Sommermonaten tummeln sich die Badebegeisterten an seinen Ufern, denn mit seinem unglaublich klaren Wasser gilt er als einer der saubersten Seen Europas. Auch Taucher wissen das zu schätzen. Segler und Surfer lieben die vielfältigen Winde über seinen Wassern. Vier herrliche Golfplätze locken mit traumhaften Aussichten über den See, Thermalbäder verwöhnen die Besucher auch dann, wenn das Wetter einmal nicht so schön sein sollte. Radverleihe, Tennisplätze und Reitställe runden das sportliche Angebot ab. Besonders reizvoll ist der Gardasee mit seinem milden Klima aber auch in den Herbst- und Wintermonaten, wenn ihn die Sommergäste verlassen haben und er wieder ganz den Einheimischen gehört. Wer einmal von der überwältigenden Schönheit dieser Landschaft in den Bann gezogen wurde, wird den Gardasee für immer lieben.
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