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Wer ist das, Mama?

 

Der König von Italien?

01„Mama, im Fernsehen war ein komischer Mann. Der Reporter hat gesagt, der hätte einen sackkratzenden Humor. Was ist das?“

„Ach, äh, weißt du, also damit ist wohl so etwas gemeint, wie dass der Mann ziemlich dumm ist.“

„Mama, der Reporter hat aber gesagt, der ist Chef von einem Land.“

„Ach, und welches Land ist das?“

„Weiß ich nicht mehr, mit „I“, glaub ich“.

„Iran? Nun, der Mann ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber Humor hat der eher gar keinen, glaub ich.“

„Ne, nicht Iran.“

„Hmm… Irak? Israel? Indonesien? … Irland? Island?... I….. … Italien?“

„Ja, Mama, das war es, Italien. Und der Mann wär ein Kavalier, hat der Reporter noch gesagt.“

„Nein, nein. Der ist kein Kavalier, Schätzchen, der wird in Italien nur „il Cavaliere“ genannt, aber ein Kavalier ist der bestimmt nicht.“

„Wieso denn nicht?“

„Ach, weißt Du, der macht ziemlich schlimme Sachen. Der verdient viel Geld mit irgendwelchen krummen Touren und außerdem ist der mit ganz jungen Mädchen zusammen, so etwas darf man als Erwachsener nicht tun.“

„Aber darf der dann das Land regieren?“

„Ja, weißt Du, der ändert dann einfach die Gesetze und deshalb kann man ihn nicht bestrafen.“

„Ist der Mann ein König?“

„Nein, Schätzchen, die Italiener haben ihn zum Regierungschef gewählt. Italien ist eine Demokratie, das heißt, dass die Leute, die da leben, ihre Regierung selbst wählen, so wie hier bei uns in Deutschland.“

„Und warum haben die Leute in Italien den Mann gewählt, wenn der so böse Sachen macht?“

„Ja, Schätzchen, also, das ist so.  Dem Mann gehören Zeitungen und Fernsehsender in Italien, und da hat der einfach immer Sendungen und Artikel bringen lassen, die sagen, wie toll er ist, und die Leute haben das dann geglaubt. Irgendwann haben sie ihn zwischendurch auch mal abgewählt, weil sie gemerkt haben, dass der Mann komisch ist, aber dann haben sie ihn doch wieder gewählt.“

„Sind die Leute in Italien denn dumm und merken nicht, dass der Mann böse ist, Mama?“

„Naja, er sagt ihnen eben auch Sachen, die sie gerne hören wollen, wie, dass er für neue Arbeitsplätze sorgen wird und dass er verhindert, dass die Kommunisten an die Macht kommen, davor haben die Italiener nämlich Angst.“

„Was ist denn ein Kommunist?“

„Jemand, der meint, dass alle Leute die gleichen Rechte, die gleichen Pflichten und das gleiche Eigentum haben sollen.“

„Aber das ist doch gut, warum wollen die Leute das denn nicht?“

„Weil das nicht klappt. Manche sind eben immer gleicher als andere. Der Mann zum Beispiel. Der hat mal gesagt: `Es ist richtig, dass alle vor dem Gesetz gleich sind, aber ich bin gleicher, weil mich die Mehrheit des Volkes gewählt hat´.“

„Dann ist der Mann also ein Kommunist?“

„Nein, eben nicht, Schätzchen. Eher das Gegenteil.“

„Also ist der Mann ein König.“

„Nein, ist er nicht, die Leute haben ihn gewählt, jetzt versteh das doch mal!“

„Das versteh ich aber nicht, wenn der Mann doch so böse Sachen macht.“

„Die Leute denken vielleicht, dass er ihnen Gutes tun wird. Ich weiß es doch auch nicht, Schätzchen. Ich würde ihn jedenfalls nicht wählen.“

„Mama, aber der Reporter hat gesagt, dass der Mann eine Sexaffäre mit einer Minderjährigen hat, was bedeutet das?“

„Ach, äh, ja, nun, also, der hat viele Frauengeschichten und manchmal sind die Frauen wohl auch was jünger gewesen, das weiß ich nicht so genau.“

„Der soll schon alt sein, hat der Reporter gesagt, aber so ganz alt hat der gar nicht ausgesehen.“

„Ja, der hat sich die Haare gefärbt und sich das Gesicht liften lassen.“

„Was ist das?“

„Ja, das ist, wenn man jünger aussehen möchte, als man ist, dann geht man zum Arzt, und der zieht einem dann die Haut vom Gesicht, macht sie straff und näht sie dann wieder an.“

„Ih, das ist ja schrecklich!! Und warum hat der das gemacht?“

„Ja, vermutlich, weil er den Frauen gefallen wollte.“

„Und warum will der den Frauen gefallen? Hat der keine?“

„Doch, doch, der hatte eine, aber der wurde das dann mit den anderen Frauen zu viel und dann hat sie ihn verlassen.“

„Der Reporter hat gesagt, was der Mann macht, wäre verboten, und ein anderer Mann hätte gesagt, der Mann wäre sexsüchtig.“

„Ja, das war dieser italienische Pornostar, der fand das alles ganz normal und hat gesagt, die Italiener mögen das, wenn man lebenslustig ist, aber weißt du was, können wir nicht mal über was anderes reden? Wie war es denn in der Schule?“

„Und warum muss der Mann nicht ins Gefängnis?“

„Aber das hab ich Dir doch schon gesagt. Weil der die Gesetze einfach ändert, wenn sie ihm im Weg sind. Also, wie war es in der Schule?“

„Die Lehrerin hat gesagt, in Italien geht es zu wie in einer Bananenrepublik. Wachsen in Italien Bananen?“

„Nein, aber Tomaten, Orangen, Zitronen und Oliven.“

„Und warum hat die Lehrerin das dann gesagt? Weiß die das nicht?“

„Ach, nein, äh, eine Bananenrepublik, so nennt man ein Land, in dem eine fürchterliche Unordnung ist, so ähnlich, wie in Deinem Zimmer.“

„Dann ist Italien unordentlich? Aber warum räumt der Mann dann nicht auf?“

„Ja, Schätzchen, weil er mit Geschäften, die nicht ganz dem Gesetz entsprechen, viel Geld verdient, weil er sehr viel Macht hat und ganz alleine entscheiden kann, was im Land passiert und außerdem in prächtigen Villen wohnt und von schönen Frauen umgeben ist, die alle tun, was er will.“

„Dann brauch ich ja auch nicht mehr aufzuräumen.“

„Nein, nein, nein, Schätzchen, so ist das nicht. Wenn Du nicht aufräumst wird alles schmutzig und du findest Deine Sachen nicht wieder, Du wirst am Ende krank und wenn Du mal groß bist, kommst Du nicht zu Recht in der Welt und verdienst kein Geld.“

„Aber Du hast doch gesagt, in Italien ist es unordentlich und der Mann, der Chef von Italien ist, verdient viel Geld, das versteh ich nicht, Mama.“

„Ja, so einfach ist das nicht, Schätzchen. Der Mann nutzt das Land einfach für sich aus und die Leute müssen dann darunter leiden.“

„Dann ist Italien schmutzig und unordentlich?“

„Nein, Schätzchen, so kann man das auch nicht sagen, aber es gibt einige Leute, die Geld damit verdienen, dass sie... öh, ähm… ja, also, sich nicht ganz richtig verhalten und es anderen wegnehmen.“

„Und das macht der Mann auch.“

„Ja, siehst Du. Das hast Du verstanden. Und nun geh schön spielen.“

„Mama, aber wenn der Mann so böse Sachen macht, warum wählen die Leute in Italien dann nicht einfach einen anderen?“

„Ja, Schätzchen, das weiß ich auch nicht. Vielleicht imponiert es den Leuten, wie der Mann ist.“

„Was ist imponiert?“

„Naja, gefallen, halt.“

„Den Leuten gefällt das? Aber das kann doch nicht sein, wenn der Mann so böse ist.“

„Ach, der ist ja nicht nur böse. Der sagt auch immer dumme Sachen. Schlimme Sachen, manchmal…“

„Was denn?“

„Naja, Sachen, die andere beleidigen oder verletzen.“

„Und das darf der, weil er der Chef ist.“

„Nein, eigentlich muss man dann ja gerade für die anderen ein Vorbild sein. Aber der ist ziemlich eingebildet, glaub ich, weil er so viel Macht über andere Menschen hat, und außerdem hat er mehr als 9 Milliarden.“

„Dann ist der also doch ein König.“

„Nein, nein. Der kommt aus einer ganz normalen Familie. Dann hat er studiert und dann eine Firma gegründet, die Häuser verkauft hat oder gebaut oder so. Das ist alles schon fast 50 Jahre her, aber die Firma würde dann immer größer, und dann hat er irgendwann noch einen kleinen Fernsehsender gegründet, der auch immer größer wurde. Das hat der schon ganz schön geschickt gemacht. Dann hat er sich noch Verlagshäuser gekauft, und dann noch einen ganzen Fußballverein. Irgendwann war ihm das alles nicht mehr genug und er hat eine Partei gegründet, und weil er so viel Geld hatte, ist er dann da auch schnell ganz groß rausgekommen. Früher haben die Italiener ihre Regierungen ja immer gewechselt wie andere Leute ihre Unterhosen, aber seit der Mann an der Macht ist, ist das nicht mehr so, der bleibt einfach.“

„Ja, dann ist der also doch ein König.“

„Nein, nein, Schätzchen, die Leute in Italien haben ihn ja gewählt.“

„Aber Mama, Du hast gesagt, der ist böse, sagt dumme Sachen, benutzt die Leute und das Land, nimmt denen Geld weg, macht verbotenen Sex mit jungen Frauen, räumt nicht auf und so, und warum wählen die Leute dann den und nicht jemand, der das besser macht?“

„Schätzchen, weißt Du was? Ich versteh das alles auch nicht, und deshalb kann ich es Dir auch nicht erklären.“

„Ok, dann geh ich jetzt in mein Zimmer.“

„Ok. Und räum mal auf.“

„Ich will aber erst spielen.“

„Ja, dann spiel erst was Schönes.“

„Ja, Bananenrepublik.“

von Almut Irmscher im Januar 2011
© Sempre Italia GmbH

Zitate

„Ich bin der Jesus Christus der Politik. Ich bin ein geduldiges Opfer, habe mich selbst für alle geopfert.“

„Richter gehören ausgerottet.“

„Ob ich treu bin? Ich würde sagen, ich war oft treu.“

„Ihr seid Touristen der Demokratie.“

„Die Justiz ist ein Krebsgeschwür des Rechtsstaates, das wir ausrotten müssen.“

„Die Kandidaten meiner Partei sind kultivierte und kompetente Personen. Sie sind keine schlechtgekleideten und übelriechenden Menschen wie die Vertreter anderer Parteien, die im Parlament sitzen.“

„Ich habe zu viel Wertschätzung für die Intelligenz der Italiener als dass ich denken könnte, dass es hier tatsächlich so viele Idioten gibt, die gegen ihr eigenes Interesse wählen.“

„In China unter Mao haben die Kommunisten die Kinder nicht gegessen, sondern gekocht, um sie als Dünger zu verwenden.“

„Nur Napoleon hat mehr erreicht als ich.“

„Einer wie ich, der 20 000 Milliarden auf dem Konto hat, muss sich mit Leuten wie euch herumschlagen! Ich werde euch Postkarten von den Bahamas schicken.“

„Mussolini hat nie jemanden getötet, er schickte Oppositionelle in Urlaub in die Verbannung.“

„Ich möchte hier noch einmal an die kommunistischen Attacken auf die Zwillingstürme erinnern...“

„Natürlich ist die Unterbringung absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Camping-Wochenende.“ (nach der Erdbebenkatastrophe im April 2009)

„Er ist jung, gut aussehend und gut gebräunt.“ (Zum Wahlsieg Barack Obamas)

„Keiner meiner Minister ist so gut bestückt wie ich.“

„Wenn ich mich im Spiegel anschaue, erwarte ich, dass mein Äußeres meiner inneren Jugend entspricht, und die ist absolut. Ich fühle mich wie 40 oder 42. In jeder Hinsicht.“

„Niemand kann mehr Mobiltelefone, mehr Autos, mehr Fernseher sein Eigen nennen als die Italiener. Wissen Sie, wie viele unserer Frauen sich Schönheitsoperationen leisten können?“

„Ich bin in der Politik, damit das Gute das Böse besiegt. Kommt die Linke an die Macht, dann bedeutete das Misere, Terror und Tod.“

„Manchmal funktionieren Tretboote gut. Keine der Leichen hat sich beschwert.“ (Auf die Frage, warum die italienische Polizei an der Küste Tretboote benutzen müsse, um Flüchtlinge zu retten.)

„Was glauben Sie, wonach mein Parfum riecht? Das ist der Duft der Unantastbarkeit.“

 

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