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Vive la Boheme: Giacomo Puccini
"Ich laufe immer vor mich hin und später nehme ich das Boot um die Bekassinen zu vertreiben. Aber einmal im Leben möchte ich gerne hierher kommen und eine meiner Opern unter freiem Himmel hören…" wünschte sich Giacomo Puccini im November 1924 am Lago di Massaciuccoli vor seiner Abfahrt in die Klinik in Brüssel, wo er wenig später starb.
Der bedeutendste italienische Opernkomponist nach Giuseppe Verdi kam aus einer Familie von Organisten und Chorleitern. Am 22. Dezember 1858 wurde er in Lucca geboren. Auch Giacomo spielte bereits mit 14 Jahren Orgel in verschiedenen Kirchen rund um die Gemeinde Lucca. Erste Orgelkompositionen verfasste er mit 17. Auf Wunsch seines Vaters sollte er Organist werden, aber als er 1876 eine Aida-Aufführung in Pisa besuchte, war Giacomo so beeindruckt, dass er von nun an nur noch Opern schreiben wollte.
Von 1880–83 studierte Puccini am Konservatorium in Mailand, u. a. bei Antonio Bazzini und Amilcare Ponchielli. 1884 beteiligte er sich an einem Opernwettbewerb des Verlages Sonzogno. Das Werk – „Le Villi“ - wurde von der Jury abgewiesen. Trotzdem kam es zu einer Aufführung am Mailänder Teatro dal Verme und das Publikum war begeistert. Der Musikverleger Giulio Ricordi erteilte Puccini daraufhin den Auftrag zur Oper Edgar, die allerdings 1889 ein Misserfolg wurde. Die Bindung an das Verlagshaus Ricordi hingegen sollte ein Leben lang bestehen und erlaubte es Puccini, sich ganz der Opernkomposition zu widmen. So schrieb er 1893 die Oper „Manon Lescaut“, sein erstes Meisterwerk, mit dessen Uraufführung in Turin ihm der Durchbruch gelang. 1896 folgte die Oper „La Boheme“, 1900 „Tosca“, 1904 „Madame Butterfly“ und 1910 „La fanciulla del West“, die im gleichen Jahr in New York unter Toscanini uraufgeführt wurde und ihm endgültig zu Weltruhm verhalf. Seine letzte Oper „Turandot“ konnte er nicht mehr vollenden.
Lange klagte er über Halsschmerzen. Im Oktober 1924 wurde dann endlich die korrekte Diagnose gestellt – er, der Kettenraucher gewesen war, litt unter Kehlkopfkrebs. Auch die Radiumbehandlung, zu der er nach Brüssel reiste, konnte nicht mehr helfen. Puccini starb am 29. November 1924 in Brüssel. Sein letztes Werk "Turandot" blieb unvollendet, wurde jedoch von Franco Alfano fertig gestellt, und 1926 uraufgeführt.
Fast alle Opern Puccinis wurden zu Welterfolgen und gehören an den großen Häusern zum festen Spielplan. Die Musik steht unter dem Einfluss Verdis und hat einen starken Sinn für theatralische Effekte. Puccinis Opern zeichnen sich durch einen von sicherem dramatischem Instinkt bestimmten Handlungsablauf und eine meisterhafte Schilderung lyrisch-poetischer Atmosphäre aus. Die grundlegenden Aspekte der theatralischen Sprache Puccinis sind dramatischer Aufbau einzelner Szenen, individuelle charakterisierende Melodik und Melodieerfindung, Spannung der Harmonik, kunstvolle Behandlung der Stimmen und des Orchesters, Reichtum der Stimmungen, musikalische Poesie, Exotismen und mitreißende Bühnenwirkung. Neben den Opern ist das Werk Puccinis verhältnismäßig klein. Er komponierte noch einige Lieder und Chorwerke.
Aus einem Brief an seine Mutter ging hervor, dass er schon während seines Studiums in Mailand am "Boheme-Leben" schnupperte, was später Inhalt einer seiner berühmtesten Opern sein sollte. Dem unkonventionellen, leichtlebigen Künstlermilieu blieb er zeit seines Lebens verschrieben.
Seine Erfolge machten ihn zu einem wohlhabenden Mann. Er kaufte sich eine Villa am Torre del Lago am Lago di Massaciuccoli in der Toskana, wo er lebte und arbeitete. Hier, am See und in Torre del Lago, schuf sich der Künstler seine eigene kleine Welt. Er liebte die Jagd und fiel durch seine Leidenschaft zur damals noch neuen Technik auf, denn er fuhr gerne Auto- und Bootsrennen. Gerne umgab er sich mit zahlreichen Freunden. Er pries seine Wahlheimat als Paradies und schwärmte besonders von den Sonnenuntergängen. Sein skurriles ehemaliges Wohnhaus ist heute ein Museum. Es zeigt u.a. sein Arbeitszimmer mit Klavier und die Trophäen seiner Jagdleidenschaft. Ein Raum wurde nach seinem Tod als Kapelle umgestaltet, dort wurden der Komponist und seine Frau bestattet.
Sein Lieblingslokal war das Antico Caffè di Simo in der Via Fillungo in Lucca, das seit 1846 Kultur-Treffpunkt war. Bis heute ist es im Jugendstil eingerichtet und hat noch einen großen Teil der Originalmöbel. Der Besuch ist ein Muss für Puccinifans, ebenso wie der Besuch seines Geburtshauses in Lucca, wo neben eingerichteten Zimmern Zeugnisse seines Lebens und Opernkostüme bei stimmungsvoller musikalischer Untermalung gezeigt werden.
Puccinis Urgroßvater kam aus dem Dorf Celle dei Puccini in der Garfagnana. Auch hier, wo die Zeit im Mittelalter stehen geblieben zu sein scheint, blieben die Andenken an die Familie Puccini erhalten. Noch wenige Tage vor seiner Abreise nach Brüssel im Herbst 1924 hatte Celle den Meister mit einem großen Fest gefeiert. Das Museum zeigt u.a. das Bett, in dem Puccini geboren wurde, und das Klavier, an dem er „Madame Butterfly“ komponierte, das Grammophon, das ihm Thomas Edison schenkte, zahlreiche Briefe und Notenblätter. (Casa-Museo dei Puccini, Celle dei Puccini, Pescaglia. Samstags und Feiertags 15 bis 19 Uhr).
Doch sein großer Wunsch, selbst eine seiner Opern unter freiem Himmel am Lago di Massaciuccoli zu hören, sollte sich nicht mehr erfüllen. Sein Freund Giovacchino Forzano begann 6 Jahre nach Puccinis Tod, die Idee aufzunehmen. Auf einer provisorischen Bühne vorm Haus des Künstlers am See wurde am 24. August 1930 „La Boheme“ aufgeführt. Seit damals fanden sich die berühmtesten Namen der Opernszene am Lago ein, darunter Giuseppe Di Stefano, Franco Corelli, Magda Olivero, Antonietta Stella, Renata Scotto, Katja Ricciarelli, Fiorenza Cossotto, Eva Marton, Ghena Dimitrova, Placido Domingo, Joseè Carreras, Luciano Pavarotti, Ingvar Wixell und viele andere. Der große Mario di Monaco wählte sich seinerzeit Torre del Lago für den Abschied von seiner Karriere mit einer unvergesslichen Interpretation aus dem "Tabarro" aus und Tito Gobbi debütierte hier als Regisseur in "Tosca". Von 1930 bis heute hat das Puccini Festival mehr als 90 Opern hervorgebracht. Im Jahre 1966 wurde das Freilufttheater auf das neu gewonnene Land im Norden des kleinen Hafens von Torre verlagert. Hier fand es seinen endgültigen Sitz in malerischer Lage am Lago di Massaciuccoli, umso schöner durch die nächtlichen Lichter der am anderen Seeufer gelegen Dörfer.
Die Zuschauerzahl ist enorm: Von 1973 bis 1976 wurden beispielsweise 130.000 Zuschauer gezählt. Seit den Achtziger Jahren wurde die Organisation des Festivals auf weitere Schauspiele ausgedehnt, darunter Ballett und Opern anderer zeitgenössischer Komponisten Puccinis. Das diesjährige Festival dauert vom 18.7.-23.8., gezeigt werden die Opern La Boheme, Madame Butterfly, Manon Lescaut und Turandot. Zurück zur Übersicht |