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Una grande signora: Franca Magnani

Den Älteren unter uns ist sie noch gut in Erinnerung: Die elegante, selbstbewusste und streitbare Journalistin Franca Magnani, die über Jahrzehnte hinweg die Berichterstattung über Italien im deutschen Fernsehen prägte. Sie war es, die den Deutschen Italien näher brachte, die es wie niemand vor ihr und niemand nach ihr vermochte, die italienische Lebensart greifbar und verständlich zu machen. Denn sie tat dies mit dem Charme und dem Charisma einer echten Italienerin, zugleich warmherzig und temperamentvoll. Sie war streitbar und engagiert, die Präzision ihrer Beiträge ist bis heute unerreicht. Dabei blieb sie stets zurückhaltend und gewann gerade dadurch immense Sympathien.

Seit 1964 arbeitete Franca Magnani für das ARD-Studio Rom, sie war die erste Auslandskorrespondentin des deutschen Fernsehens. Mehr als 20 Jahre lang berichtete die grande signora für die deutschen Fernsehzuschauer mit ihrer markanten Stimme und mit klarem analytischem Blick aus Rom und Italien. Nebenher war sie als freie Autorin für viele wichtige Printmedien Deutschlands und der Schweiz tätig.

Franca Magnani kam am 1. Juli 1925 in Rom zur Welt. Ihr Vater, Franco Schiavetti, war Mitglied der Republikanischen Partei und Chefredakteur der Parteizeitung „Voce Repubblicana“. 1926, als Franca kaum ein Jahr alt war, mussten ihre Eltern nach einem Überfall faschistischer Banden des Benito Mussolini ins französische Exil flüchten. Sie gingen nach Marseille, wo Francas Vater sich als Drucker und Lastwagenfahrer durchschlug. Die ältere Schwester Francas hatten die Eltern mitgenommen, Franca jedoch schien ihnen für die Flucht zu klein, daher ließen sie sie bei ihrem Großvater in Todi (Umbrien).

Auf ein Gesuch des Großvaters hin erlaubte Benito Mussolini 1928, dass das Kind zu seinen Eltern gebracht werden durfte. Als der Großvater mit Franca in Marseille auftauchte, empfing der Vater ihn mit den vorwurfsvollen Worten: „Das verzeihe ich Ihnen nie, dass Sie dem Duce Gelegenheit gegeben haben, sich großzügig zu zeigen.“

Der politisch engagierte Vater pflegte auch im Exil rege Kontakte zu anderen politisch geprägten Menschen. So lernte Franca schon als kleines Kind Politiker kennen, die im demokratischen Italien nach dem Krieg Bedeutung erlangen sollten. Und sicherlich waren die politischen Diskussionen, die den Alltag bestimmten, prägend für die kleine Franca.

Als Frankreich von den Nazis besetzt wurde, zog die Familie weiter nach Zürich, wo ihr Vater als Sprachlehrer Arbeit fand. Über das Schweizer Exil berichtete Franca später, dass sie es wie einen Kulturschock empfunden habe, denn eine derart geordnete Welt habe niemand von ihnen gekannt. So lernte Franca nicht nur Schwyzerdütsch, was auch in ihrer späteren Korrespondentenzeit immer noch ein wenig herauszuhören war. Sie lernte auch die Schweizer Tugenden wie Ordnung und Pünktlichkeit und so wichtige Dinge wie „das Tragen von Filzpantoffeln in der guten Stube“.

Schon mit 19 heiratete France den Schweizer Philosophieprofessor und Journalisten Arnold Künzli, mit dem sie nach dem Krieg nach Bonn zog. Seit 1951 arbeitete sie als Journalistin für die Schweizer Frauenzeitschrift Anabelle. Doch ihre Ehe war nicht von Bestand, denn Franca fühlte sich, wie sie später in ihrer Autobiografie schrieb wie „unter Kuratel“ und „aus der Obhut meines Vaters direkt in die meines Mannes übergegangen“.

Schon kurz darauf lernte Franca den italienischen Kommunisten Valdo Magnani (1912-1982) kennen und heiratete ihn 1953. Sie zog zurück nach Rom. Im gleichen Jahr wurde der Sohn Marco geboren, 1955 folgte die Tochter Sabina.

Auch Valdo Magnani war ein streitbarer Geist. Er hatte in Jugoslawien im Widerstand gegen Hitler-Deutschland gekämpft und schon früh den Stalinismus angeprangert. Damit stellte er sich gegen die damalige Parteilinie der italienischen KP, die noch weit vom heutigen, undogmatischeren Weg des italienischen Kommunismus entfernt war, und wurde prompt aus der Partei ausgeschlossen.

Doch nicht nur die Kommunistische Partei lehnte Valdo Magnani ab, auch Francas Familie stellte sich gegen ihn. Ihr Vater, der sich inzwischen als Sozialist engagierte und als Journalist tätig war, schrieb eisige Kommentare gegen den Schwiegersohn.

Valdo Magnani blieb jedoch unbeirrt seiner Linie treu und wurde später Parlamentsabgeordneter. Seine politischen Texte besprach er mit Franca, die dadurch motiviert wurde, eigene politische Texte zu verfassen. Ihre Artikel wurden zum Beispiel im SPD-Blatt Vorwärts und in der Schweizer Wochenzeitung Die Tat veröffentlicht.

Nachdem Franca Magnani zunächst 1964 als freie Mitarbeiterin für das ARD-Studio Rom tätig geworden war, wurde sie dort schon ein Jahr später als Redakteurin engagiert. Von nun an lieferte sie alljährlich bis zu 100 Berichte über Politik und Gesellschaft Italiens.

Sehr schnell wuchs ihre Popularität und sie entwickelte sich zum Publikumsliebling in Deutschland. Sie verkörperte das lebenslustige, chaotische und sympathische Italien wie keine andere. Ihre Reportagen waren einfühlsam, aber oft auch brisant. Sie führte kritische Interviews mit Politikern, flirtete vor der Kamera mit Marcello Mastroianni, berichtete über das ambivalente Rollenspiel italienischer Frauen oder das leichtfüßige Dasein des italienischen Mannes. Sie berichtete aber auch über so erschütternde Themen wie eine neapolitanische Familie, die fünf ihrer Töchter verkauft hatte und verstand es, die Hintergründe zu beleuchten, die den Unterschied zwischen damaliger gesellschaftlicher Realität in Italien und der italienischen Verfassung verdeutlichten. Denn wiewohl bittere Armut die Hauptursache für die Handlung der Eltern war, so waren auch die Töchter für den Vater als solche ohne Wert, da für ihn nur die Söhne zählten. Nach dieser Reportage erklärte Franca Magnani ihre eigenen Motive als Journalistin so: „Fragen, was dahinter steht, und dann mit den Leuten reden, dass sie es nicht mehr tun.“

1968 beteiligte sich Franca Magnani an den Demonstrationen und politischen Versammlungen. Sie verfolgte die aufkommende Emanzipation der Frauen mit Sympathie und begleitete sie mit ihren charakteristischen Berichten, die nie einseitig Partei ergriffen. Später erklärte sie über die Frauenbewegung: „Sie war nötig, bei allen Übertreibungen und Ausschreitungen- und es war eine Revolution. Die Frauen haben mehr erreicht, als alle politischen Beobachter – einschließlich mir selbst – für möglich hielten.“

1977 übernahm der CSU-nahe Journalist Wolf Feller das ARD-Studio Rom. Couragiert bot sie ihm Paroli. Feller jedoch ließ Magnani immer weniger zu Wort kommen. War sie 1969 noch insgesamt 101-mal in Tagesschau und Weltspiegel erschienen, so war sie es 1980 nur noch 12-mal. Deshalb verklagte sie den Bayerischen Rundfunk wegen Diskriminierung. 1987 wurde sie fristlos gekündigt, die Kündigung wurde aber 1991 vor Gericht für ungültig erklärt. Erst 1994 kam es zu einem Vergleich mit dem Bayerischen Rundfunk.

1983 erhielt Franca Magnani den „Fritz-Sänger-Preis für mutigen Journalismus“, der ihr in Würdigung „ihres jahrelangen unerschrockenen Widerstandes gegen die Einschränkung ihrer journalistischen Arbeit“ zugesprochen wurde. 1992 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen.

1990 erschien ihre hoch gelobte Autobiografie „Eine italienische Familie“.

Am 28. Oktober 1996 starb Franca Magnani an den Folgen einer Krebserkrankung im Alter von 71 Jahren in Rom.

Posthum gaben ihre Kinder die beiden Bücher „Mein Italien“ und „Rom – Zwischen Chaos und Wunder“ heraus.

Heinrich Böll hatte über sie gesagt, sie sei „Entwicklungshelferin für einen Rechts- und Freiheitssinn“. „Es macht mir Spaß, den Leuten Dinge verständlich zu machen“ hatte sie ihre journalistische Einstellung ganz schlicht erklärt, und ihre politische mit den Worten: „Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen.“

Doch nicht nur ihrer journalistischen Arbeit gehörte Franca Magnanis Leidenschaft, sie war auch eine begeisterte Köchin – als solche übrigens gerne gesehener Gast in Alfred Bioleks Küche. Eines ihrer Lieblingsgerichte waren Gnocchi, das Kneten des Teiges bezeichnete sie als „fast erotisches Vergnügen“ und: „Fertig verschweißte Gnocchi sind eine Barbarei“.

von Almut Irmscher
© Sempre Italia GmbH

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