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Träume unter weißen Segeln: Yachten aus Viareggio
Erst ab einer gewissen Länge darf ein Boot sich mit dem Namen „Yacht“ schmücken. Ist es kürzer als 7 Meter, so ist und bleibt es ein Boot. Eine typische Yacht ist zwischen 10 und 15 Meter lang und hat mehrere Kabinen. Aber es gibt noch eine Steigerung.
Elegant gleiten sie über das leuchtend blaue Wasser: die Luxusyachten, die für die meisten von uns ein unerschwinglicher Traum bleiben werden. Einige der schönsten und edelsten von ihnen entstehen in den Werften von Viareggio in der Toskana. Die Reichen der Welt füllen die Auftragsbücher von Perini Navi, dem Spezialisten für extravagante Segelyachten mit einem Marktanteil von 60 %. Perini Navi ist weltweit die einzige Werft, in der alle Arbeitsschritte selbst durchgeführt werden, von der Entwicklung über die Konstruktion bis hin zur Ausstattung. Und trotz einer Mitarbeiterzahl von 150 Spezialisten verlassen jährlich höchstens zwei oder drei Schiffe die Werft. Deshalb kosten gebrauchte Yachten auch leicht ein paar Millionen mehr als neue, denn die Wartezeit beträgt mindestens vier bis fünf Jahre.
Seit der Gründung von Perini Navi im Jahre 1983 entstanden rund 40 dieser exklusiven Yachten. Fabio Perini, der Firmengründer, hatte bereits ein Vermögen mit technischen Geräten verdient, die in der papierverarbeitenden Industrie zum Einsatz kamen. Nebenbei war er leidenschaftlicher Segler, doch irgendwann fand er kein Boot mehr, das seinen Ansprüchen genügt hätte. So gründete er kurzerhand seine eigene Werft mit dem Bestreben, Segelyachten mit dem Komfort einer Motoryacht zu bauen. Mit den Jahren wurde die technische Ausstattung der Yachten immer weiter perfektioniert. Eigene Generatoren versorgen sie mit Strom, Entsalzungsanlagen verwandeln Meerwasser in Trinkwasser. Die Segel werden automatisch gehisst, denn Perini legt Wert darauf, dass seine Schiffe ohne viel Manpower manövriert werden können.
Die ersten Perini-Yachten erregten ungeheures Aufsehen, denn derartige Schiffe hatte es noch nie gegeben. Komfortable Yachten waren motorbetrieben, keine Segler. Doch wie viel eleganter wirkt ein stolzes Segelschiff dagegen! Und da man nun auch hier nicht mehr auf exquisiten Komfort verzichten musste, richteten sich die Augen und die Wünsche der oberen Zehntausend schnell auf das junge italienische Unternehmen.
Und wie es so ist in der Welt des großen Geldes, wollte man immer größere, immer längere, immer bessere Schiffe. Die „Felicità“, Perinis erster Segler, war noch 40 Meter lang gewesen, die „Morning Glory“ maß schon 48 Meter, die „Taouey“ bereits 58 Meter und die „Felicità West“ sagenhafte 64 Meter. 56 Meter lang ist die „Santa Maria“, ein Großsegler mit zwei Masten, die 50 und 60 Meter hoch aufragen. Bereits mehrfach hat das stolze Schiff den Atlantik überquert. Es bietet fünf Kabinen, ausgestattet mit Kirschholz an Böden und Wänden, marmornen Bädern mit Aussicht und einem 436 qm großen Teakholzdeck. Das Schiff steht zum Verkauf, denn sein Eigner hat ein größeres geordert. Für schlappe 35 Millionen Euro ist die Santa Maria fast ein Schnäppchen!
Das gigantischste Projekt ist aber die „Maltese Falcon“, die von Perini im Auftrag des amerikamischen Miltimilliardärs Tom Perkins gebaut wurde. Mit 88 Metern Länge war sie für die Werft in Viareggio zu groß und wurde deshalb in der Niederlassung in Istanbul gebaut. Fünf Jahre lang wurde an ihrer Technik und an ihrem Design herumgebastelt. Denn nicht alle optischen Vorstellungen lassen sich so einfach verwirklichen, bei einem Schiff zählt zunächst die Technik, die jederzeit leicht zugänglich sein muss, aller Zierrat kann immer nur deren Verkleidung dienen. Ein so gewaltiges Schiff erfordert zudem eine ganz besondere Technik, wenn es leicht zu handhaben sein soll. Und tatsächlich ist es Perini durch revolutionäre Neuerungen wie rotationsfähige Kohlefasermasten gelungen, das Schiff so leicht bedienbar zu machen, als wäre es ein Kinderspielzeug. Mit unter Deck versteckten, ausgeklügelten Winschen werden die Segel elektrisch aus- und eingefahren. Ein einziger Segler kann die hoch automatisierte Yacht ganz allein per Knopfdruck mühelos manövrieren. Eine derartige Technik wird nur von Perini angeboten, das elektronische System ist patentiert. Kein Wunder, dass der laufende Meter der „Maltese Falcon“ eine Million Euro gekostet hat.
Der neuste Trend aus der Perini-Werft sind schnittige, besonders leichte, schnelle und wendige Schiffe aus Aluminium und Kohlefaser, die „nur“ 38 Meter lang sind, und auf die jüngeren Kunden aus dem betuchten Zielpublikum abzielen, aber auch auf die verwöhnten Älteren, die ihre großen Luxusyachten leid sind.
Doch auch, wer des Segelns müde ist, kann sich getrost weiter in Viareggio umsehen: Gleich um die Ecke werden bei Benetti seit 1873 schicke Motorboote zwischen 24 und 75 Metern Länge gebaut. Und auch hier muss der verwöhnte Premiumkunde keinen Verzicht üben, bieten sie ihm doch gewohnten Komfort mit Hubschrauberlandeplatz, Swimmingpool oder Fitnessraum, selbstverständlich in Ausstattung aus feinstem Leder, Marmor und Edelhölzern.
Und so ist der Yachthafen von Viareggio einer der größten und unter den Reichen und Schönen beliebtesten des Mittelmeerraumes. Beim Bummeln kann man hier mitunter die prächtigsten Yachten der Welt bewundern und davon träumen, wie es wohl sein mag, auf ihren Planken über die sieben Meere zu gleiten. Zurück zur Übersicht |