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Tor zur Hölle: Solfatara
Im Vulkankrater von Solfatara werden Sie nicht wohnen wollen, denn er gehört wohl zu den unheimlichsten Schauplätzen Italiens. Von diesem seit Jahrtausenden brodelnden und dampfenden Ort kann man im wahrsten Sinne des Wortes schnell die Nase voll haben...
Solfatara ist Teil der Phlegräischen Felder, die ein geophysikalisches Phänomen sind, das weltweit einzigartig ist. Die Griechen nannten dieses Gebiet „Brennende Felder“ (phlegraios = brennend). Probebohrungen ergaben eine 1800 m mächtige Schicht aus Pyroklastika (vulkanischen Auswurfprodukten). Die Magmaschichten sind hier noch nicht vollständig erkaltet und infolgedessen in ständiger Bewegung. Sie sind jedoch schon so weit abgekühlt, dass mit Ausbrüchen nicht mehr zu rechnen ist.
Die Gesamtfläche der Phlegräischen Felder beträgt 150 km², ihre Aktivitätszone befindet sich teilweise auch untermeerisch im Golf von Pozzuoli. Solfatara, der Hauptvulkan der Phlegräischen Felder, liegt 10 km westlich des Vesuvs ca. 1 km von der Küstenstadt Pozzuoli entfernt, die ihrerseits 10 km von Neapel entfernt ist.
Dem an der Küstenstraße gelegen Zugang zum Krater gegenüber erhebt sich das liebliche Ischia aus dem blau glitzernden Meer. Blühende Bougainvilleen verzaubern die Welt in Pink. Knatternd lärmend fährt ein Gemüsehändler mit seiner Ape vorbei, üppig beladen mit prallen Melonen, strahlend gelben Zitronen, leuchtenden Auberginen und tiefroten Tomaten. Dieses typisch süditalienische Flair verlässt man und wandert nichts Böses ahnend durch ein altes Tor weiter einen von Bäumen gerahmten Weg entlang. Hier befindet sich ein Campingplatz für alle Hartgesottenen, die herüberwehende Schwefelschwaden nicht von der Nachtruhe abhalten können. Und plötzlich steht man vor dem Krater: Ellipsenförmig öffnet sich sein blendend heller Boden und lädt zum Eintritt in eine andere Welt ein.
Ca. 700 x 600 m ist er groß, hat einen Durchmesser von ca. 400 m und ist teilweise mit Absperrungen versehen, um die Besucher auf dem rechten Wege zu halten. Denn ein Bad im bis zu 200° heißen Schlamm wäre sicherlich keine angenehme Erfahrung. Hinweisschilder führen durch den Vulkan, es ist aber auch möglich, an einer Führung teilzunehmen. Der flache Kraterboden ist mit weißlichem Material bedeckt, der Krater selbst besteht aus Tuffgestein und hat einen Umfang von ca. 2 km. Im Norden und Süden erreichen seine Flanken bis zu 70 % Steigung.
Zahlreichen seltenen Pflanzen ermöglicht das besondere Kleinklima, am Kraterrand zu gedeihen. Der bis zu 150° heiße Kraterboden selbst jedoch ist kahl und frei von biologischem Leben – hier lebt die Erde! Allein die Menschen wagen es, dieses Feld zu betreten, und das schon seit der Antike, wo man in dieser bizarren Welt des Feuergottes Hephaistos das Tor zur Unterwelt vermutete.
Jedoch wurden die vulkanischen Effekte auch schon früh für heilsame Thermalbäder genutzt. Die älteste erhaltene Aufzeichnung von Solfatara stammt von Strabone (66 v.Chr.- 24 n.Chr.). Die Römer erbauten Schwitzkammern, die von den heißen Gasen beheizt wurden. Vor ca. 500 Jahren fing man die Schwefeldünste auf, um Kranke damit zu heilen. Lungen- und Hautkranke erhofften sich Linderung ihrer Leiden durch die Inhalation der Schwefelgase. Seit Ende des 16. Jahrhunderts war es eine Zeitlang modern, zur Kur nach Solfatara zu reisen. Die Phlegräischen Felder besuchten Petrarca und Goethe, Dumas und Capaccio, sie finden sich auf Gemälden von Van Wittel und Morghen, auf Stichen von Fabris oder Gigante. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Krater für Besucher zugänglich.
Umgeben von Rauchfahnen und gehüllt in unheimliche Nebel kann man den teilweise heftig nach Schwefel stinkenden, heißen Krater durchgehen. Kochende Fumarolen stoßen grässlich nach faulen Eiern riechende Schwefelwolken in die ohnehin schon heiße Luft aus, Schlammlöcher brodeln drohend vor sich hin, Geysire schnellen aus dem Boden, überall raucht und qualmt es grauselig. Tritt man fester auf den schneeweißen Boden des Kraters auf, so vermeint man, das dumpfe, hohl klingende Echo der Unterwelt zu hören. Zugleich beklemmend und faszinierend ist dieser mystische Ort, völlig fremd wie eine Mondlandschaft in seine mediterran-lebendige Umgebung eingebettet.
Die besonderen Erscheinungen Solfataras haben den Vulkan zu einem wichtigen Referenzobjekt der Vulkanologen werden lassen. Seine seismischen Vibrationen, Erdkrustenverformungen, Rauchentwicklungen und Fumarolen sind einzigartig. An den Öffnungen der Fumarolen sind farbige Ablagerungen und Kristalle zu beobachten, die sich beim direkten Abkühlen der austretenden Gase in festen Zustand dort ablagern. Heiße Schwefeldampfquellen mit Temperaturen zwischen 90° und 250° werden nach Solfatara in der Vulkanologie als Solfatare bezeichnet. Die sogenannten „stufe“, natürlichen Grotten, in denen sich 90° heißer Wasserdampf sammelt, waren es, die die Römer für ihre Schwitzkammern nutzten. Wird das umgebende Gestein durch die heißen Gase zersetzt, so bildet sich feiner Schlamm, der in den brodelnden Schlammtöpfen zu beobachten ist. 160° heißer Schwefelwasserstoff entweicht in diesen blubbernden Schlammlöchern und verursacht den allgegenwärtigen Gestank. Die Phänomene sind auf das von oben einsickernde Wasser zurückzuführen, das sich im Inneren der Erde wieder erhitzt. In Verbindung mit im Untergrund gelösten chemischen Elementen und Gasen gelangt der Wasserdampf wieder an die Oberfläche.
Das Kraterinnerste ist eingezäunt. Man kann aber im Kraterboden ganz um den Krater herumgehen und teilweise auch über die dampfenden Hügel klettern. Diese vulkanischen Erscheinungen sind auch für Kinder (unter Aufsicht) nicht gefährlich, da hier nicht mit giftigen Gasen oder Ausbrüchen zu rechnen ist. Im Sommer, wenn sie Sonne scheint, kann die Temperatur im Kraterinneren leicht auf 50° ansteigen. Für den Besuch sollte man an solchen Tagen besser nicht die Mittagszeit wählen. Der Eintritt ist übrigens gebührenpflichtig (ca. 4 €). Und Ihr Urlaubsdomizil, z.B. an der nahe gelegenen Amalfiküste, finden Sie in unserem Katalog.
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