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Schuhmacher der Träume: Salvatore Ferragamo - Feuilleton

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Schuhmacher der Träume: Salvatore Ferragamo

Passen muss nicht nur das Urlaubsdomizil, passen muss auch der Schuh. Diese simple Weisheit war schon dem Prinzen aus dem Märchen bekannt, der nur mithilfe eines Schuhs seine Prinzessin wiederfand. Der Mann, mit dem wir uns hier befassen, fand mithilfe passender Schuhe gleich eine ganze Reihe von Prinzessinnen: Katharine Hepburn, Lauren Bacall, Audrey Hepburn, Greta Garbo, Evita Peron, Marlene Dietrich, Sophia Loren, Gina Lollobrigida, Rita Hayworth, Marilyn Monroe, die Duchess of Windsor – kaum eine glamouröse Grande Dame des letzten Jahrhunderts, deren Füße er nicht bekleidet hätte. Salvatore Ferragamos Kundendatei war ein „Who is Who“ des 20. Jahrhunderts.

Der aus Kampanien stammende Ferragamo war zum Schuhmacher berufen. Er wurde 1898 im Dorf Bonito als elftes von vierzehn Geschwistern einer Bauernfamilie geboren. Die Familie war so arm, dass Schuhe ein Luxusgut waren, das nur zu besonderen Anlässen getragen wurde. Vielleicht wurden deshalb Schuhe seine große Leidenschaft und sein Lebensinhalt. Bereits im Alter von neun Jahren schuf er sein erstes Paar Schuhe für seine Schwester, die sie zu ihrer Firmung trug. Im zwei Stunden von seinem Heimatdorf entfernten Neapel erlernte er von nun an sein Handwerk gegen den Willen seiner Eltern, die meinten, die Schuhmacherei würde nichts einbringen. Er eröffnete schon 1910 im Alter von zwölf Jahren seinen ersten kleinen Laden, folgte aber 1914 als Sechzehnjähriger seinem Bruder nach Boston. Viele junge Männer aus dem damals perspektivlosen Süditalien zog es in diesen Jahren nach Amerika, das damals die Blütezeit des „amerikanischen Traums“ erlebte. Und diesem Sog folgte auch Salvatore Ferragamo, der ausgezogen war, um seinen persönlichen Traum „Vom Schuster zum König der Schuhe“ Wirklichkeit werden zu lassen.

Ferragamos Bruder arbeitete in einer Fabrik, die Cowboystiefel herstellte. Hier nahm Salvatore Ferragamo Einblick in die maschinelle Fertigung von Schuhen und stellte fest, dass dies nicht nach seinem Geschmack war. Er zog weiter, zunächst nach Santa Barbara und später nach Hollywood, wo er 1920 eine Boutique eröffnete und maßangefertige Schuhe herstellte. Sein ebenfalls ausgewanderter Bruder Alfonso, der sich damit durchschlug, Anzüge der Schauspieler der American Film Company aufzubügeln, vermittelte ihn an den Kostümausstatter, der über das schlechte Schuhwerk der Darsteller geklagt hatte. Ferragamo selbst hatte sich über den Stil amerikanischer Schuhe entsetzt: „Wie Kartoffeln! Und sehr, sehr schwer!“ Seine Mission war es, Schuhe feiner und leichter zu machen. So kam es, dass Salvatore Ferragamo die Füße von Tänzerinnen, Pharaonen, Haremsdamen, Piraten und Märchenprinzessinnen der aufblühenden Traumfabrik zu bekleiden begann.

In den „Zehn Geboten“ von 1923 wandelte Moses in Ferragamos Kreation durch Ägypten, im „Dieb von Bagdad“ (1924) floh Douglas Fairbanks in Ferragamos Schuhen. Schnell gelangten seine außergewöhnlichen Kreationen auch außerhalb der Filmstudios zu Ruhm. Ferragamo war der Liebling der Stars. Die Diven des frühen Films – Joan Crawford, Gloria Swanson oder Mary Pickford, vergötterten ihn.

Aber schon 1927 ging Ferragamo nach Italien zurück. Die riesige Nachfrage in Amerika hatte ihn unter Druck gesetzt. Geeignete Handwerker, die ihm in seinem Sinne helfen konnten, fand er nicht in ausreichender Zahl und die Alternative der maschinellen Fertigung war für den qualitätsbewussten Italiener ein Gräuel. So setzte er seine Arbeit in Florenz, der Hochburg der Lederverarbeitung, in der es zahlreiche geschickte Arbeitskräfte gab, fort. 1938 erwarb er den 1289 erbauten Palazzo Spini Feroni in der Nähe des Ponte Vecchio in Florenz, unter den herrlichen Fresken der Barocksäle formte er fortan seine Inspirationen zu Schuhen. Und die Diven folgten ihm bis nach Florenz. In den Fünfziger Jahren arbeiteten ca. 700 Menschen in seiner Werkstatt, die täglich 350 Paar exquisite handgemachte Schuhe produzierten.

Das Geheimnis von Ferragamos Schuhen ist nicht nur der kreative, oft exzentrische Stil. Ferragamo hatte Anatomievorlesungen an der Universität von Los Angeles besucht und die dort gewonnenen Erkenntnisse in eine Arbeit einbezogen. Deshalb waren seine Schuhe nicht nur schön, sondern auch ausgesprochen bequem. Er legte Wert darauf, die Schuhe leicht und dennoch stabil zu gestalten. Hinzu kam, dass er, durch seine Arbeit für Sandalenfilme geprägt, den Fuß von geschlossenen Schuhen befreite und seine Trägerin Haut zeigen ließ.

Wie kein anderer verstand er es, seine Schuhe dem Charisma ihrer Trägerin anzugleichen und dieses dadurch zu unterstreichen. So entwarf er die zarten Ballerinas für Audrey Hepburn, die dazu beitrugen, ihr zerbrechliches Image zu prägen, oder die erotischen Krokopumps, die Marilyn Monroe in „Manche mögen´s heiß“ trug.  Für Marilyn hatte er bereits 1955 den stahlverstärkten Stiletto erfunden und damit Furore gemacht. Denn nur so wurde es möglich, die Diva um elf Zentimeter erhöht durch das Rampenlicht stöckeln zu lassen.

Für Evita Peron schuf er Schuhe aus Reptilienhaut. Soraya bestellte gleich mehrere Paare des für sie geschaffenen Modells aus weißem Satin, das sie je nach Garderobe einfärben ließ, und Greta Garbo orderte 70 Paar des gleichen Schuhs in unterschiedlichen Farben. Auch Eva Braun und Claretta Petacci, die Geliebte Mussolinis, zählten zu Ferragamos Kundinnen, letztere schickte Benito vorbei, damit er sich endlich anständige Stiefel machen ließ.

1960 starb Ferragamo im Alter von 62 Jahren. Seine resolute Witwe und die sechs Kinder führten seit dem das Unternehmen fort und erweiterten die Kollektion um Taschen, Lederwaren, Damen- und Herrenmode, Schals, Krawatten, Schmuck, Parfums und Brillen. Die zurückhaltende Art der Familie spiegelt sich in der reduzierten Ästhetik ihrer Produkte, deren Bestimmung im Understatement liegt. Das Unternehmen ist heute milliardenschwer und verzeichnet phänomenale Zuwachsraten.

1995 eröffnete in Florenz das Salvatore Ferragamo Museum im 2. Obergeschoss des Palazzo Spini Feroni, in dem mehr als 10.000 markante Werke des Meisters ausgestellt werden. Sie sind Zeuge seiner Kunstfertigkeit, seiner Kreativität und seiner herausragenden Rolle in der Geschichte der Schuhmacherei. Daneben werden Fotos, Entwürfe und Modelle der Füße berühmter Persönlichkeiten gezeigt.

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