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Schatzkammer der Medici: Die Uffizien
Eines der berühmtesten Museen der Welt – die Uffizien in Florenz – soll uns heute ein wenig beschäftigen. Geradezu überwältigend ist die Fülle der Meisterwerke, die hier versammelt sind, und von so hinreißender Schönheit, dass selbst diejenigen, die das Museum notgedrungen, z.B. auf einer Klassenfahrt, aufsuchen, angesteckt werden von der Begeisterung, die jeder Kunstliebhaber kennt, der nur die Namen der bedeutendsten Werke und Künstler hört. Mehr als 1000 Werke werden in 45 Sälen gezeigt, daneben noch zahllose Skulpturen, Gobelins, historische Karten und vieles mehr.
Die Uffizien sind nicht nur berühmt, sie sind auch eines der ältesten Museen der Welt. Die Bezeichnung uffici (Büros) geht auf die ursprüngliche Bestimmung des Gebäudes zurück. Denn Mitte des 16. Jh. beschloss Cosimo I de' Medici, ein Gebäude zu errichten, wo alle wichtigen Ämter des Großherzogtums Toskana vereint sein sollten. Man beauftragte Giorgio Vasari, den berühmten Maler und Kunsthistoriker. Es mussten einige Häuser abgerissen werden, um das enorme Projekt zu beginnen, andere wurden einfach integriert.
Dem Architekten war klar, dass das flache Gebälk der Erdgeschossloggia der gewaltigen Last nicht auf Dauer standhalten konnte, deshalb wurde es durch nicht sichtbare Bögen verstärkt. Aus statischen Gründen verwendete Vasari zum ersten Mal Zement, den er mit Ketten und Zugankern durchsetze. Die Uffizien bestehen aus einer machtvollen Fassade, hinter der sich ungleiche, zum Teil ältere und verschachtelte Bauteile verbergen. Drei Fassaden bilden einen lang gestreckten Platz, der wie ein Innenhof wirkt. Vasari verwendete dazu die pietra serena, ein bläulich-graues Gestein, das in der Frührenaissance nur für Innenräume und Höfe verwendet wurde. Obwohl wenig wetterbeständig, ist das Gestein hier dennoch dank des weit ausladenden Kranzgesimses ausnehmend gut erhalten. An der Schmalseite schließt ein Portikus, der im unteren Teil an einen Triumphbogen erinnert, die Piazza nach hinten ab und öffnet sie gleichzeitig zum Arno. Von dieser Loggia aus kann man erkennen, dass das Szenarium der Uffizien auf Michelangelos David und die Herkules-Cacus-Gruppe auf der Piazza della Signoria ausgerichtet ist.
Im Jahre 1565 war der Komplex fast fertig gestellt. Er erhielt noch den 1500 m langen Vasarischen Korridor, der die Uffizien über den Ponte Vecchio mit dem Palazzo Pitti, damals Privatsitz der Medici, verbindet. Außerdem wurde auch noch eine Verbindung zum Palazzo Vecchio geschaffen.
Der Nachfolger Cosimos, Francesco I, war passionierter Anhänger der Künste und so beschloss er, den Laubengang im Obergeschoss zu einem Raum für seine Sammlungen von Gemälden, Skulpturen, Waffen und wissenschaftlichen Geräten umzufunktionieren. Mit den Umbauten wurde Bernado Buontalenti beauftragt. Er erbaute die Tribuna, einen der ersten Museumsräume neurer Geschichte. Im Westtrakt, dem rechten Flügel, entstandenen Werkstätten für Gold- und Silberschmiede, Kosmographen, Musiker und Sänger. In der Fonderia wurden Parfüms hergestellt, Gifte und Gegengifte gebraut. Selbst Gärtner hatten hier ihre Arbeitsplätze. Für sie wurde auf der Loggia dei Lanzi ein Dachgarten mit einem Gewächshaus eingerichtet.
In den darauf folgenden Jahren wuchs die Kunstsammlung in den Uffizien beständig an, denn aufgrund ihrer innovativen Eisenbauweise, die große Fenster möglich machte, stellten sie geeignete Räumlichkeiten für die Kunstsammlungen der Familie Medici dar. Den Medici dienten die Uffizien als Halle zum Lustwandeln zwischen ihren Schätzen. Sie herrschten drei Jahrhunderte über Florenz und besaßen die für die Reichen damals typische Sammelleidenschaft. Geschenke aus diplomatischen Beziehungen, Mitgiften und Erbschaften vervollständigten die beeindruckende Sammlung. Später, nachdem die Dynastie der Medici ihr Ende gefunden hatte, vermachte die letzte Erbin die Medici-Schätze dem Volk von Florenz und somit der gesamten Öffentlichkeit.
Heute drängen sich die Besucher vor den vielen Stücken der Sammlung, die den Zeitraum vom 13. bis zum 18. Jh. überspannt und sogar bis zum 20. Jh. reicht, wenn man die Gemälde im Korridor Vasaris hinzuzählt (dessen Besuch aber nur nach Voranmeldung möglich ist). Mit zahlreichen Meisterwerken ist die Florentiner Malerei vertreten, ebenso findet man aber auch die Schulen von Siena, Venedig, Parma und Mantua sowie deutsche, flämische und spanische Künstler. Francesco I. ließ in der Tribuna unter anderem Werke von Raffael („Maria mit dem Stieglitz“) aufstellen. Einer der bedeutendsten Sammler war Kardinal Leopoldo de`Medici (1617-75), der den Grundstock zur graphischen Sammlung legte und dem ein großer Teil der venezianischen Gemälde zu verdanken ist. Durch die Auflösung von Klöstern gelangten bedeutende Altarbilder des 15. Jahrhunderts in die Uffizien.
Mit dem im 19. Jahrhundert erwachte Interesse für die lang vergessene Kunst von Botticelli, Filippo Lippi und anderen Malern vor Raffael.
Eines der berühmtesten Gemälde von Sandro Botticelli „Die Geburt der Venus“ (um 1485) befindet sich in den Räumen der Uffizien. Dieses Gemälde hängt im großen Saal und zeigt die Ankunft der aus Schaum geborenen Liebesgöttin an den zyprischen Gestaden. Die Winde haben ihre Muschel an die Küste getrieben. Hora, in ihrem blumenbestickten Gewand als Genius des Frühlings gekennzeichnet, reicht ihr einen Mantel.

„La Primavera“, der Frühling, ist das zweite der mythologischen Meisterwerke Botticellis und gehörte zusammen mit „Der Geburt der Venus“ und „Pallas und der Zentaur“ als Hochzeitsbild zur Ausstattung einer Medici-Villa. Venus, über der ihr Sohn Amor seine Pfeile verschießt, wandelt im Garten des ewigen Frühlings, rechts verfolgt Zephir eine Nymphe, die Schutz bei Flora, der Göttin der Blumen sucht. Links tanzen die drei Grazien einen Reigen, angeführt von Merkur, dem Beschützer des Gartens.
Tizians berühmte „Venus von Urbino“, einer der bekanntesten Akte der abendländischen Kunst, verärgerte Mark Twain so sehr, dass er sagte: „…ein Bild ohne jeden verhüllenden Fetzen oder ein Feigenblatt, der anrüchigste, gemeinste, obszönste Gemäldebesitz, an dem sich die Menschheit sattsehen kann.“ Hätte er sich mit dem Hintergrund des Werkes beschäftigt, so hätte er verstehen können, dass die verführerische Schöne Schutzpatronin der Ehe ist, der Myrthenbaum im Fenster und das Hündchen auf ihrem Boudoir stehen für ewige Blüte und eheliche Treue.
Caravaggios Medusenhaupt (1596) auf einem Rundschild aus Pappelholz war ein Geschenk Kardinal del Montes an Ferdinando I und sollte seine Waffenkammer zieren. In den Sälen der Uffizien findet sich weit mehr, als wir hier zu betrachten Zeit hätten, keiner der großen Namen fehlt: Leonardo da Vinci („Anbetung der Könige“ und „Die Verkündung“), Giotto („Madonna mit dem Kind“, „Engel und Heilige“), Cuccio („Madonna Rucellai“), Michelangelo („Heilige Familie“), Rembrandt („Alter Rabbiner“ sowie zwei Selbstporträts), Dürer, Cranach ("Martin Luther", "Adam und Eva", Angelico Filippo Lippi, Rogier van der Weyden, Mantegna.
Dazu kommen klassische und hellenistische Statuen, wie Venus, der Scherenschleifer oder die Gruppe Niobe und Niobiden. Ebenfalls sehenswert sind die thematischen Sammlungen der Gobelinteppiche (aus dem XVI. und dem XVII. Jahrhundert), der antiken Marmorgegenstände sowie der Miniaturen.
Durch die Gründung von zahlreichen neuen Museen entlastete man die Uffizien seit dem 19. Jahrhundert. Um einen Teil der Gemälde aus den Depots zu zeigen, bedarf es einer Erweiterung. Für die geplanten „Grand Uffizi“ stehen im Obergeschoss die Räume bereit.
Die Uffizien sind dienstags bis sonntags von 8.15 bis 19.00 Uhr geöffnet. Montags, am 1. Januar, 1. Mai und 25. Dezember bleiben sie geschlossen. Der Eintritt kostet 8 €, für Europäer zwischen 18 und 25 Jahren 4 €, unter 18 und über 65 Jahren nichts. Die Schlangen an den Kassen sind meist extrem lang, da immer nur eine limitierte Zahl von Besuchern eingelassen wird. Entsprechend qualvoll ist das Gedränge vor den berühmtesten Werken. Um erhebliche Wartezeiten zu vermeiden, kann man Karten vorbestellen, und zwar unter der Nummer (+39)055294883, montags bis freitags von 8.30 bis 18.30 Uhr, samstags von 8.30 bis 12.30 Uhr (1, 55 € Gebühren, es wird außer Italienisch Englisch gesprochen).
Wer die Uffizien in Ruhe besuchen möchte und auch die anderen Schätze von Florenz genießen möchte, ohne zwischen Besuchermassen aufgerieben zu werden, der kommt am besten im Winter. In den Monaten von November bis März gehört Florenz noch den Florentinern, die Atmosphäre ist typischer und viel entspannter. In den kleinen Restaurants fühlt man sich jetzt wie ein Florentiner, und unvergleichlich romantisch bieten sich die winkeligen Gassen der Altstadt in den Wintermonaten dar, wenn sie verlassen sind von den Gruppen hektisch hindurch eilender Touristen. Zurück zur Übersicht |