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Samtig und edel: Brunello - Feuilleton

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Samtig und edel: Brunello

Ein edler Wein ist der Brunello, der wohl vor Ort zu einem toskanischen Menü genossen am besten schmeckt, doch auch den Daheimgebliebenen die Sonne Italiens ein bisschen nach Hause holen kann.

Der Brunello di Montalcino ist einer der erlesensten und bei Kennern begehrtesten Rotweine Italiens, von Feinschmeckern in aller Welt hoch geschätzt. Man gewinnt ihn sortenrein aus einer speziellen Art der auch für den Chianti verwendeten Sangiovese-Traube, nämlich der „Sangiovese Grosso“. Der Name der in Italien weit verbreiteten Sangiovese-Traube bedeutet übrigens „Blut Jupiters“, wahrscheinlich war die Traube schon den Etruskern bekannt.

Für den Brunello werden die Trauben im Oktober von Hand geerntet und sorgfältig ausgewählt. Die Verarbeitung erfolgt gemäß der klassischen toskanischen Tradition. Nach der Auspressung gärt der Most bis zu 30 Tage, je nach den Eigenschaften des Jahrgangs und nach der Qualität der Beeren. Diese Gärung erfolgt bei einer Temperatur von 30° bis 33° C, um den Häuten die größtmögliche Menge an Tanninen und Farbstoffen zu entziehen.

Sein intensives und einzigartiges Aroma verdankt der Brunello der Lagerung in Fässern aus slawonischer Eiche, wo er mindestens zwei bis drei, besser jedoch vier Jahre lang reift. Daran schließt sich eine weitere bis zu zweijährige Lagerung in der Flasche an, verwendet werden Bordeauxflaschen. Das Ergebnis ist ein rubinroter, eleganter und sehr körperreicher Wein.

Die spezielle, hochwertige Sangiovesesorte, die ihn so unverwechselbar macht, wurde von der Familie Biondi-Santi in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts auf ihrem Gut Il Geppo gezüchtet. Es gibt allerdings auch Dokumente, die das erste Auftauchen dieser Rebsorte schon im Jahre 1842 vermuten lassen könnten. Ferruccio Biondi, ein junger Enologe, begann jedenfalls 1870 damit, neue Arten auszuprobieren, was schließlich im ersten großen Jahrgang des Brunello im Jahre 1888 gipfelte.

Bis 1960 hatte seine Familie das Monopol auf den Brunello, erst in diesem Jahr begannen auch andere mit der Produktion. In früheren Zeiten wurden nur allerbeste Jahrgänge auf die Flasche gezogen, andere wurden gar nicht erst als Brunello verkauft sondern kamen als die billigere Variante Rosso di Montalcino auf den Markt. So wurden bis zum Zweiten Weltkrieg nur die Jahrgänge 1888, 1891, 1925 und 1945 als Brunello abgefüllt. Man sagt, dass der Brunello in Jahren mit trockenem, aber ausgewogenem Klima am besten gedeiht. Im Laufe der Jahre nahm er eine immer bedeutungsvollere Fraganz an, einen weicheren Geschmack und einen delikaten, intensiven Duft.

Im Jahr 1960 gab es dann 11 Weingüter, die ca. 100.000 Flaschen Brunello erzeugten. Die Anbaufläche betrug nur 63 ha. Heute liegt sie bei 1.800 ha, die sich mehr als 200 Weingüter in dem für italienische Verhältnisse gebirgigen Terrain rund um Montalcino in 400 m Höhe teilen. Der Ertrag pro Hektar ist streng reglementiert und darf nicht mehr als 80 Doppelzentner betragen. Die Jahresproduktion liegt bei 5,5 Millionen Flaschen. Als die besten Jahrgänge neuerer Zeit gelten die Jahre 1975, 1977, 1979, 1982, 1985, 1988, 1990, 1995, 1998 und 1999. Der Erstverkaufstag eines Jahrgangs ist der 1. Januar fünf Jahre nach der Lese.

Der Brunello war der erste Wein, der 1980 mit dem DOCG-Status ausgezeichnet wurde. Mittlerweile ist der Wein trotz seines sehr hohen Preises wohlbekannt und auch im nördlicheren Europa sehr beliebt. Allein auf den deutschsprachigen Raum entfällt rund ein Drittel der Exporte.

Im Gewirr der Gässchen der Altstadt von Montalcino findet man den Palazzo Comunale, der das Consorzio di Tutela del Brunello, gegründet 1967, beherbergt. Neben den Keramiken mit den Wappen der einstigen Herrscher über die Region kann man hier die berühmten Brunello-Kacheln besichtigen: Denn jedes Jahr am ersten Samstag im Februar feiert man hier den neuen Jahrgang mit „Benvenuto Brunello“ – „Willkommen Brunello“ und präsentiert eine Keramikkachel, auf der die Bewertung des neuen Jahrgangs durch das Consorzio di Tutela vermerkt ist. Die imposante Festung Montalcinos beherbergt darüber hinaus eine Enoteca, in der man alle Jahrgänge des Brunello verkosten kann, wahlweise aber auch die des leichteren und günstigeren Rosso di Montalcino.

Der Brunello ist idealerweise vollmundig, mit weicher, fülliger Frucht, von sehr reichem Geschmack mit Nuancen von Veilchen, Iris, Waldfrüchten und Vanille. Seine Düfte sind ätherisch, seine Farbe ist rubinrot, zum Granatrot neigend. Er enthält viel Tannin und Alkohol, der Prozentsatz liegt zwischen 12,5 und 13,5.

Nach der Lieferung sollte die Flasche mindestens drei Tage lang ruhen, um es dem Wein zu ermöglichen, seine einzigartigen Eigenschaften nach dem Transport wieder anzunehmen. Es ist empfehlenswert, die Flasche 5 bis 6 Stunden vor dem Trinken zu öffnen. Um die Kraft eines alten Brunello richtig genießen zu können, empfiehlt sich das Dekantieren in einer geeigneten Karaffe. Die ideale Trinktemperatur liegt bei 18° C , man trinkt ihn aus langstieligen Rotweinschwenkern, die seine Farbe und sein harmonisches und vielschichtiges Bouquet hervorheben. Er ist ein prunkvoller Begleiter zu allen Gerichten mit gegrilltem oder kurz gebratenem Fleisch, insbesondere aber auch zu Wild und gut gewürzten Speisen oder zu aromatischem Käse. Der Brunello ist ein Wein zum Lagern, er behält über Jahrzehnte hinweg seine Qualität und gewinnt durch das Alter an Wert.

Neben dem Brunello gibt es noch die besonders hochwertige Riserva, von der rund 60 Erzeuger nur um die 600.000 Flaschen pro Jahr abfüllen. Für ihre Erzeugung werden die besten Trauben der ältesten Rebberge ausgelesen. Die Riserva wird extrem lange im Fass ausgebaut und ist erst nach Jahren genussreif. Sie wird sechs Jahre nach der Lese auf Flaschen abgezogen. Erwartungsgemäß wird hierfür ein kleines Vermögen verlangt.

Empfehlenswerte Brunellowinzer sind neben Biondi-Santi auch Capanna, Fuligni, Siro Pacenti, Valicava, Poggio Antico, Lisini, Altesino, Costanti oder Salvioni. Aus wirtschaftlichen Gründen füllen heute immer mehr Winzer auch die weniger brillanten Jahrgänge als Brunello ab. So hat er inzwischen sogar den Weg in die Lebensmitteldiscounter gefunden. Fraglich bleibt, ob der herausragende Ruf des Brunello auf Dauer erhalten werden kann, wenn die Zahl der angebotenen mittelmäßigen Jahrgänge die der wirklich erstklassigen übersteigt. Denn noch steht der Brunello mit vorne an der Spitze der weltweiten Weinproduktion und hält einen Ehrenplatz unter den großen Weinen inne.

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