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Karneval in Italien: Eine kleiner Einblick in die verschiedenen Traditionen
Es gibt viele karnevalistische Bräuche auf der Welt, doch die Wurzeln des Karneval liegen in Italien. Das Wort "Karneval" hat seinen Ursprung in "carne vale", das bedeutet: "Fleisch, lebe wohl". Mit dem Abschied vom Fleisch beginnt die Fastenzeit bis Ostern, und ihr Beginn wird mit einer letzten, rauschenden Feier versüßt. Hierbei lebten die alten "heidnischen" Bräuche weiter, bei denen zu dieser Zeit mit oftmals garstigen Masken der Winter ausgetrieben wurde. Die verschiedensten Volksfeste haben in Italien eine lange Tradition. Deshalb wollen wir Ihnen als Retrospektive ein paar der italienischen Karnevalsfeste vorstellen.
Beginnen wir mit dem berühmtesten, dem Karneval in Venedig. Wenn in der Lagunenstadt die "colomba", eine riesige Taube aus Pappmaché, an einem Seil vom Campanile zum Dogenpalast gezogen wird, sich ihr Bauch öffnet und einen gewaltigen Konfettiregen freigibt, dann hat in Venedig der Karneval begonnen. 12 Tage im Februar verwandelt sich die Stadt zur Bühne für Straßenkünstler und maskierte Laien. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war der Karneval der Lagunenstadt das berühmteste und spektakulärste Fest in Europa. Mit der Aufhebung der glanzvollen Republik Venedig 1797 durch Napoleon fand er jedoch sein vorläufiges Ende. Erst in den 1980er Jahren belebte die Tourismusbranche der Stadt die alte Tradition neu. Am Freitag vor Aschermittwoch findet der große Maskenball statt. Am Faschingsdienstag wird die berühmte Stierjagd auf dem Markusplatz nachgestellt, und am Abend gibt's den großen Abschlussball. Das Besondere am Karneval in Venedig sind die Masken, die der "commedia dell`Arte" entlehnt sind. Zu den bekanntesten gehören der verschlagene Brighella, der schwarzgekleidete Dottore, der ungeschickte Pulcinella und die Maske mit dem schnabelartigen Raum für die Nase, die früher Pestärzte aus Angst vor Ansteckung getragen haben sollen.
Aber auch in anderen Orten und Regionen Italiens hat der Karneval Tradition. Berühmt für seine beißende Satire ist der Fastnachtsumzug in Viareggio. Auf riesigen Wagen werden Politiker aus der ganzen Welt karikiert und verspottet, wobei die Figuren gigantische Ausmaße annehmen. Der Karneval von Viareggio entstand im Jahr 1873, als einigen ansässigen Herrschaften einfiel, einmal einen ganz anderen Sonntag zu verbringen. Sie organisierten einen Zug mit blumengeschmückten Wagen, die auf der Hauptstraße, der Via Regia, auf und ab fuhren. Bei dieser Gelegenheit wurde gleichzeitig eine Maskerade als Protest der Bürger, die viel zu viele Steuern zahlen mussten, organisiert und der Obersteuereinnehmer aufs Korn genommen. Der Umzug gefiel sowohl den Organisatoren als auch den Bürgern, und so entstand die Idee, jedes Jahr Wagen zu bauen, mit denen die Stimmungslage der Bevölkerung ausgedrückt werden sollte.
Seit damals gilt Viareggio mit seinen Maskenumzügen und allegorischen Wagen aus Pappmaché , die wahre Kunstwerke sind und für deren Herstellung die Viaregginer ein ganzes Jahr benötigen, als Heimat des italienischen Karnevals. Es gibt keinen Politiker, keine Kulturgrößen oder Schauspieler auf der Welt, der nicht aufs Korn genommen werden würde, indem sie zur Titelfigur von einem dieser Wagen gemacht werden. Die Figuren auf den Wagen bewegen ihre Arme, rollen mit den Augen und machen ihren Mund auf und zu. Auf jedem Wagen sind auch viele Kinder und Jugendliche, die die vergnügte Zuschauermenge mit Konfetti und Papierschlangen bewerfen. Während der gesamten Karnevalszeit finden auch verschiedene Maskenfeste in den diversen Stadtteilen statt, sowie zahlreiche andere Veranstaltungen aus den Bereichen Sport, Kunst und Kultur. Was den sportlichen Teil betrifft, findet ein Jugendfußball-Turnier mit Mannschaften aus der ganzen Welt statt. Offizielle Maske des Karnevals von Viareggio ist der „Burlamacco“, ein Hanswurst, der Kleidungsstücke von verschiedenen anderen italienischen Masken trägt: z.B. einen rot-weiß karierten Clownsanzug wie Harlekin, einen weißen Überwurf wie Pierrot, eine weiße Halskrause wie vom Räuberhauptmann, einen roten Hut und einen schwarzen Mantel wie Balanzone. Der Name Burlamacco kommt von Buffalmacco, einem florentinischen Maler aus dem Decamerone, ist aber zugleich mit dem weit verbreiteten lucchesischen Familiennamen Burlamacchi verbunden.
Traditionell wird - weil´s so schön ist - der Umzug der großen Wagen im August beim berühmten Sommerkarneval wiederholt. In den späten Abendstunden rollen die Giganten durch die schmalen Gässchen der Altstadt, kritisch beäugt und kommentiert von den Viaregginern. Denn das eigentlich Interessante ist neben den schrillen Wagen besonders ihr abenteuerlicher Weg. Eigentlich sind sie nämlich viel zu groß. Da kann es schon mal eine halbe Stunde dauern, bis eine Kurve endlich überwältigt ist, da muss schon mal ein Balkon- oder gar ein Brückengeländer abgeschraubt werden, ein Zugtraktor ausgewechselt werden. Dieses Spektakel in schönster italienischer Tradition sorgt für angeregte Diskussionen und Debatten und geschäftiges Treiben unter den Einheimischen.
Einen farbenprächtigen Karneval mit Umzug und zahllosen Veranstaltungen, die sich über 5 Tage hinziehen und die ganze Stadt zum Toben bringen, gibt es in Sciacca auf Sizilien sowie einigen anderen Orten der Insel.
Ein typischer Umzug findet auch in Verona statt: Am Freitag vor Aschermittwoch verwandelt sich die Altstadt in einen Hexenkessel. Die Route beginnt an der Kirche San Zeno, von hier ziehen die traditionellen Gruppen in historischen Gewändern und die gigantischen, schrillen Wagen durch die Gassen der Altstadt und wieder zurück zur Piazza San Zeno, wo sie vom Festmeister kommentiert und verabschiedet werden. Immense, feuerspeiende Drachenköpfe und andere Schreckgebilde schwingen sich von den Wagen in die Menge, da bleibt so mancher Kindermund offen stehen...

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