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In ewiger Trauer verharrend: Die Zypresse - Feuilleton

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In ewiger Trauer verharrend: Die Zypresse

Hier widmen wir uns einer Pflanze, die wie wohl kaum eine andere italienische Stimmung aufkommen lässt: Die Zypresse. Sie ist das auffällige Wahrzeichen vieler mediterraner Kulturlandschaften. Was wäre die Landschaft der Toskana ohne ihre obeliskenartige Silhouette, die die Hügel krönt und die Alleen ziert? Seit Jahrtausenden wird sie als heiliger Baum verehrt, aus ihrem sehr widerstandsfähigen Holz wurden Schiffe gebaut und die Türen und Dächer religiöser Stätten gefertigt. Sie gilt als Baum des Todes und der Trauer, daher schmückt sie viele südländische Friedhöfe.

Diese mystische Symbolik rührt von einer alten Geschichte her, die der römische Dichter Ovid einst aufschrieb. Er erzählt von dem Knaben Kyparissos, der den heiligen Hirsch der Nymphen zu reiten vermochte. Doch eines Tages traf er den Hirsch bei der Jagd mit einem Speer und der heilige Hirsch starb. Darüber war der Knabe so untröstlich, dass er beschloss, selbst zu sterben, da er in seinem Leben keinen Sinn mehr zu erkennen vermochte. Der Gott Apollo, der den Knaben liebte, verwandelte ihn in eine Zypresse, denn der Knabe wollte auf ewig trauern.

Schon in der Antike hatte die Zypresse hohe Verehrung genossen. Sie war das Kennzeichen von Kult- und Grabstätten und zierte die Gärten der Mächtigen.

In der osmanischen Kultur war sie der Baum des Lebens, ihr Motiv erscheint in zahllosen Varianten auf Kacheln, Kelims und Gemälden. Um die Bedeutung des Wassers für das Leben zu symbolisieren, ziert sie in Stein gemeißelt zahllose Brunnen.

Da in der Antike die Zypresse aber auch als Baum des Gottes Apollo galt und somit heidnisches Symbol war, wurde sie in der christlichen Kultur nur noch als Trauerbaum, der um Friedhöfe herum angepflanzt wurde, geduldet. Sie abzubilden galt vielerorts und besonders in Italien als geschmacklos. Daher findet sich ihre Darstellung auf keinem toskanischen Gemälde bis etwa um 1450.

In den nördlicheren Regionen des mittelalterlichen Europas wurde sie hingegen zum Symbol der Schöpfung und des Paradieses. Sie ziert den Genter Altar der Brüder von Eyck, Hildegard von Bingen und Albertus Magnus empfahlen ihr Holz, ihre Früchte und ihre Blätter als Heilmittel.

Dennoch galt die Zypresse vielen Menschen, insbesondere den Italienern, weiterhin beharrlich als Tabu-Baum. Erst mit der ästhetischen Revolution der Renaissance brach der Bann, der über der Zypresse gelegen hatte, und das im Wesentlichen auch nur in der Toskana und um den Gardasee herum. Hier begannen wohlhabende Villenbesitzer, Zypressen zu pflanzen, und so kommt es, dass bis heute außer in diesen beiden Regionen kaum Zypressen in der freien Landschaft Italiens zu finden sind. Insbesondere in Süditalien bleibt die Anpflanzung der Zypresse bis heute strikt auf Friedhöfe beschränkt.

Die ursprüngliche Heimat der himmelstrebenden Echten Zypresse wird in Teilen Afghanistans und Persiens vermutet. In antiker Zeit brachten die Eroberer aus dem Mittelmeerraum die Zypresse von ihren Zügen in diese Regionen mit in ihre Heimat. Über Kreta, die Peleponnes und das griechische Festland kam der Baum nach Sizilien und erreichte schließlich das italienische Festland. Der Grund für die rasche Ausbreitung des Baumes war sein unverwüstliches Holz, das sich beim Haus- und Schiffsbau bestens bewährte. Doch die intensive Nutzung lichtete die Zypressenwälder, heute sind dichte Bestände extrem selten geworden. Stattdessen zieren nur einzelne Exemplare Landschaft und Gärten oder gruppieren sich zu den berühmten Zypressenalleen der Toskana.

Die Echte oder Italienische Zypresse liebt trockene und steinige Böden und ist außergewöhnlich anpassungsfähig. Sie ist von legendärer Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit, Kälte jedoch ist ihr zuwider. Die Zypresse gehört zu den Nadelgewächsen der Ordnung Kiefernähnliche, auch wenn ihre Blätter vorwiegend als Schuppen ausgebildet sind, die dachziegelartig angeordnet sind. Ihre Zapfen sind kugelig bis leicht länglich und haben Schuppen, die, wenn die Reife erreicht ist, aufklappen und den Samen freilassen. Die Rinde ist graubraun und wenig rissig. Der Baum erreicht eine Höhe von 20 bis 30, selten bis zu 40 Metern. Da ihre Äste wie eine Spindel emporwachsen, erhält sie ihr typisches säulenförmiges, zugespitztes Aussehen. Sie hat ein relativ schnelles Wachstum.

Aus ihren Blättern, Trieben und Früchten wird Zypressenöl gewonnen, das in der Naturheilkunde zahlreiche Anwendungen findet. Auch aus Rinde, Früchten und Holz werden Extrakte gewonnen, die heilsame Wirkung haben sollen und traditionell z.B. gegen Diarrhoe, Bronchitis oder Würmer eingesetzt werden. Zypressenöle sind in vielen Formen im Handel erhältlich.

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