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He's got the blues: Zucchero
„Marmellata e zucchero“, „Marmelade und Zucker“, soll ihn seine Grundschullehrerin genannt haben, weil sie ihn so süß fand. Süß wirkt er heute eigentlich eher nicht mehr, aber der Zucker blieb an ihm haften, weil er ihn sich als Künstlernamen auswählte – aus Adelmo Fornaciari wurde Zucchero. Heute ist er der international bekannteste italienische Rockstar, seine Musik ist inspiriert von Rhythm & Blues, sein Spektrum reicht von eingängigem Rock bis zu tragenden Balladen, weit entfernt vom Klischee des italienischen Schmalzpop.
Seine ersten musikalischen Erfahrungen machte er an der Kirchenorgel. Nach der Schulzeit verließ er Anfang der siebziger Jahre seine Heimat in der Emilia Romagna, wo er im September 1955 geboren worden war, und zog nach Forte dei Marmi an der toskanischen Versiliaküste. Während er sich als Aushilfskellner und Gitarrist durchschlug, gründete er seine ersten Bands und spielte einige Singles ein. Einen ersten Erfolg verbuchte er 1981, als er das Songfestival von Castrocaro mit „Una Notte Che Vola Via“ gewann. Sein erstes Album erschien 1983: „Un Po´ Di Zucchero“, brachte aber nicht den erhofften Erfolg.
So suchte er sein Glück in der Ferne, verließ Italien und zog nach San Francisco, wo er zusammen mit Randy Jackson die „Zucchero And The Randy Jackson Band“ gründete. Ihr Stück „Donne“ stellten sie beim San Remo Songfestival 1985 vor, in Italien wurde es ein Bombenerfolg. Beim Festival reichte es allerdings nur für den vorletzten Platz.
Doch diese nicht gerade motivierende Platzierung spornte Zuccheros Ehrgeiz an. Er ging auf Tour, spielte neue Songs ein, trat im Fernsehen auf, nahm an weiteren Wettbewerben teil, trat in Israel, USA, Südamerika und Kenia auf, um es dann im Folgejahr erneut in San Remo zu versuchen. Doch auch sein „Canzone Triste“ scheiterte an den Juroren, wiederum wurde er Vorletzter.
Vielleicht waren es diese Misserfolge, die Zucchero dazu brachten, auf Kooperationen mit anderen Künstlern zu setzen, ein Entschluss, der sich als sehr erfolgreich erweisen sollte. Die Liste seiner Studiopartner ist lang, vor allem aber ist sie beeindruckend. Er sang zusammen mit Gino Paoli und trat dreimal live mit Joe Cocker auf, um gemeinsam den Beatles-Klassiker „With a Little Help From My Friends“ vorzutragen. Zusammen mit Miles Davis spielte er „Duna Mosse“ ein, er arbeitete mit Lisa Hunt, Eric Clapton, Randy Crawford, Paul Young, der Blues Brothers Band und vielen anderen. Zucchero übersetzte seine erfolgreichsten Songs ins Englische und ging 1990 zusammen mit Eric Clapton auf Tournee. Als erster Rockmusiker überhaupt trat er im Moskauer Kreml auf, als Zeugnis blieb das Album „Live at the Kremlin“. Zusammen mit Sting nahm er „Mad About You“ auf und begleitete ihn als Live-Gast auf seiner Tour. Der Durchbruch war geschafft, Zucchero war nun international bekannt.
Prompt gelang ihm sein bisher größter Hit: 1991 spielte er mit Paul Young „Senza Una Donna - Without A Woman“ aus dem Album „Blue´s“ neu ein, auch in Deutschland eroberte er damit die Charts, in denen der Song 26 Wochen lang stand. In den britischen Charts erreichte er den 2. Platz, in den USA kam er auf Platz 4. Als einziger italienischer Künstler trat er 1992 beim legendären Freddy Mercury Tribute im Wembley Stadion auf. Im gleichen Jahr sang er bei einer Benefiz-Veranstaltung zu Gunsten bosnischer Kinder gemeinsam mit Luciano Pavarotti und wurde fortan Stammgast bei „Pavarotti & Friends“. 1994 war er einziger europäischer Teilnehmer bei Woodstock II.
Zucchero war es, der den jungen Tenor Andrea Bocelli entdeckte. Er lud ihn zu einer gemeinsamen Produktion ein und schrieb Songs für ihn, bis dessen Karriere von alleine brummte. Aus den zarten Händen von Carla Bruni empfing Zucchero 1993 den albernen World Music Award in Monte Carlo. In den folgenden Jahren reihten sich die berühmten Namen aneinander, mit denen Zucchero verbunden ist. Er war mitten im Herzen des Showbusiness angekommen.
Und so schmücken wir auch diesen Artikel mit illustren Namen wie Johnny Hallyday und Gérard Depardeu, mit denen er in Frankreich sang, Little Richard, mit dem er beim Montreux Jazz Festival auftrat, Sinéad O´Connor, mit dem er die englische Version von „Va, Pensiero“ aufnahm. 1999 trat er als Special Guest der Rolling Stones in Österreich vor 200.000 Zuschauern auf. Er spielte mit Bryan Adams, Little Richard, Elton John sowie mit Stevie Wonder, mit Tom Jones arbeitete er an dessen Album „Reload“. Im Oktober 1999 sang er eine persönliche Version von „Va, Pensiero“ für Bill Clinton im Weißen Haus. Und, welche Ehre, kein Geringerer als Lothar Matthäus wünschte ihn sich im Jahr 2000 für sein Abschiedsspiel. Und selbst Peter Maffay darf sich mit der Ehre schmücken, einmal mit Zucchero zusammengearbeitet zu haben.
Die Barilla-Nudel adelte Zucchero, indem er einen Werbespot für sie aufnahm. Auf seiner „Blue Sugar“ Welttour 1998 begleitete ihn eine israelische Sängerin, die gemeinsam mit arabischen Musikern auftrat. Und großzügige Spenden an wohltätige Organisationen ließen sein Image in der Öffentlichkeit noch sympathischer erscheinen. In München trat er gemeinsam mit Michael Jackson beim Benefiz-Konzert für das Rote Kreuz auf. Rastlos tourt Zucchero zu den internationalen Festivals und Benefiz-Galas dieser Welt, überall ist er mit von der Partie.
Sein originelles Album „Blue´s“ aus dem Jahr 1987 war das bis dato meistverkaufte Pop-Album in Italien. Für sein Album „Oro, Incenso e Birra“ – Gold, Weihrauch und Bier - gab es 1989 bereits vor Erscheinen eine ungeheure Zahl an Vorbestellungen in Italien. Auf dieses Album folgte eine triumphale Europatour, die er in der Londoner Royal Albert Hall gemeinsam mit Eric Clapton eröffnete. Auch sein zehntes Album, „Shake“ aus dem Jahr 2001, ist ein Riesenerfolg gewesen. Seine Alben erscheinen mittlerweile in italienischer und in englischer Sprache, aber auch spanische Aufnahmen für die zahlreichen Fans in Lateinamerika sind dabei. Sein Album „ZU & Co“ aus dem Jahr 2004 ist eine Sammlung von Duetten mit zahlreichen anderen Stars. Die Songs für „Fly“ (2006) komponierte er in seiner umgebauten toskanischen Mühle, fast alle Instrumente spielte er bei den Aufnahmen selbst. 2007 stellte er ein Best Of-Album vor und 2008 eine Life-CD und DVD seiner Italientour aus dem gleichen Jahr. Zu seinen größten Hits zählen Songs wie „A Colpa Di Chi?“, „Così Celeste“ oder „Il Grande Baboomba“. „In Blues we trust, Blues will never die“, so fasst Zucchero die Philosophie seines Lebens zusammen. Zurück zur Übersicht |