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Geburt der Geburt: Die Erfindung des Weihnachtsfestes
Das Weihnachtsfest entstand in Italien. Der Brauch hat seinen Ursprung im dritten Jahrhundert nach Christi Geburt, wann genau weiß man nicht. Die Einführung des Weihnachtsfestes wird Papst Hyppolit zugeschrieben, der um das Jahr 217 herum einen Tag für das Fest der Geburt Jesu suchte. Ob er dabei bereits den 25. Dezember im Sinn hatte, ist umstritten, gilt aber als wahrscheinlich. Doch erst rund 140 Jahre später setzte sich der Ritus, das Christfest am 25. Dezember zu feiern, unter Papst Liberius endgültig durch, um 381 auf dem Konzil von Konstantinopel zum Dogma erklärt zu werden.
Es gibt im Neuen Testament keinerlei Angaben zum Geburtstag Jesu und das Datum seiner Geburt war unter den Urchristen unbekannt. Aber schon im zweiten Jahrhundert begannen Diskussionen und Spekulationen zu diesem Thema unter seiner Anhängerschaft aufzublühen. In den meisten alten Religionen war es üblich gewesen, den Geburtstag eines Gottes feierlich zu begehen, und so wollte man auch Jesus entsprechend würdigen. Denn im Gegensatz zum Gott des Alten Testaments war Jesus ja geboren worden.
Weil die Tagundnachtgleiche am 25. März als Symbol für das Erwachen des Frühlings und das Aufkeimen des Lebens zur damaligen Zeit eine große sakrale Bedeutung hatte und man dieses Datum als den ersten Schöpfungstag betrachtete, schrieb man auch Marias Empfängnis dem 25. März zu. Daraus errechnete man, eine neunmonatige Schwangerschaft zugrunde legend, den 25. Dezember als Geburtsdatum für Jesus.
Andere Strömungen innerhalb der jungen christlichen Gemeinschaft wollten lieber einen Tag zwischen Ostern und Pfingsten, den bis dato wichtigsten Festen der christlichen Gemeinde, als Geburtsdatum sehen. So wurde in urchristlicher Zeit im Nahen Osten das Christfest Mitte Mai gefeiert. Wieder andere wollten den 14. Nisan festlegen, wobei Nisan der siebte Monat im jüdischen Kalender ist und nach dem gregorianischen Kalender Mitte März beginnt. Der 14. Nisan ist der Geburtstag des Isaak, der als Vorbild Christi galt, weshalb auch dessen Geburtstag auf das gleiche Datum fallen sollte. In östlichen Gebieten hingegen verlegte man sich auf den 6. Januar, den Tag des Epiphaniasfestes, der in der orthodoxen Kirche heute als Tag der Taufe Christi gefeiert wird.
Es bedurfte also eines Machtwortes aus Rom, um der Streiterei ein Ende zu bereiten. Ausdrücklich benannt wird der 25. Dezember erstmals in einer römischen Quelle aus dem Jahre 354, die sich auf eine Überlieferung aus dem Jahre 336 beruft. Hier heißt es klipp und klar, dass Jesus zur Amtszeit des Kaisers August an einem Freitag, dem 25. Dezember, zur Welt kam.
Mit dem 25. Dezember waren seit jeher Mysterien und sakrale Riten unter allen Völkern des Morgen- und des Abendlandes verbunden. Die Ursprünge dieser Rituale reichen zurück bis in die Steinzeit und lassen sich zum Beispiel im britischen Stonehenge beobachten, dessen Megalithe nach Sonnenwende und Tagundnachtgleiche angeordnet sind. Nun fällt die Wintersonnenwende heute auf den 20. oder 21. Dezember, doch dies ist erst seit der Einführung des Gregorianischen Kalenders der Fall. Vor 2000 Jahren galt noch der Julianische Kalender, und nach diesem fanden die Windersonnenwende am 25. Dezember statt, die Tagundnachtgleichen am 25.März und am 25. September, die Sommersonnenwende am 25. Juni. Der Wintersonnenwende, dem kürzesten und dunkelsten Tag, gebührt seit jeher eine besondere Bedeutung, symbolisiert sie doch die Wiedergeburt des Lichts und damit die der Hoffnung und des Positiven an sich.
Im germanischen Raum fand am 25. Dezember das Julfest statt, eine Mischung aus Fruchtbarkeitsritual und Totenkult. Noch heute heißt Weihnachten im Dänischen „Jul“. Die Kelten feierten das Mittwinterfest, in ihren Mythen hatte in dieser Nacht die Göttin der Fruchtbarkeit ihren Sohn, den Sonnengott, geboren und damit Licht und Fruchtbarkeit zur Erde zurück gebracht. Im vorderasiatischen Raum verehrte man im Mithraskult einen indischen Sonnengott, dessen Geburt zur Wintersonnenwende gefeiert wurde. Dieser Kult vermischte sich mit dem Kult um den griechischen Sonnengott Helios, dessen Festtag ebenfalls der 25. Dezember war und der in Rom zum mächtigen „Sol invictus“, der unbesiegbaren Sonne, avancierte. Interessanterweise wird Helios mit Aion, der Gottheit der Weltzeit und Ewigkeit, verbunden, deren Festtag am 6. Januar begangen wurde und der einer jungfräulichen Geburt entsprang. Im ägyptischen Isiskult war der 25. Dezember der Tag der Geburt des Horus, der als Himmels- und Lichtgott verehrt wurde. Die nahöstlichen Nabatäer feierten die Geburt des Gottes Dusares, auch dessen Mutter war übrigens Jungfrau.
Im römischen Reich als Schmelztiegel all dieser Kulte wurden deren Feste pompös gefeiert. In Rom selbst gipfelten sie neben dem Festtag des Sol Invictus in den Saturnalien, die in ihrer höchsten Blütezeit vom 17. bis zum 30. Dezember gefeiert wurden. Dieses Fest fand zu Ehren des Gottes Saturn statt, der als Symbol des Goldenen Zeitalters galt, und war das fröhlichste und ausgelassenste Fest im Alten Rom. Man beschenkte sich gegenseitig, die Stammesunterschiede galten als aufgehoben und die Sklaven wurden von ihren Herren bewirtet. Die Moral lockerte sich erheblich und der Weinkonsum steigerte sich ins Uferlose.
Heidnische Bräuche jedoch wurden seit jeher von den Kirchenoberen mit Argusaugen betrachtet. Derartig ausufernde Freudenfeste gar betrachteten sie als pure Anarchie und Teufelszeug. Doch dem Volk dieses hochgeschätzte Fest einfach so zu nehmen wäre wohl nur mit Gewalt durchsetzbar gewesen und hätte nicht zum Wohlwollen gegenüber dem Klerus beigetragen. Menschen lassen sich zudem leichter missionieren, wenn man ihnen liebgewonnene Bräuche lässt. Was lag also näher, als den alten Brauch in ein heiliges christliches Ritual zu transformieren? So kam der Papst wohl auf die Idee, alle alten Kulte mit einem Streich auszumerzen, indem er kurzerhand den 25. Dezember zum Geburtstag Christi erklärte. Die Logik dieser Entscheidung zu Gunsten des Tages des Lichtfestes wurde mit Bibelzitaten wie, der erwartete Erlöser sei die „Sonne der Gerechtigkeit“ oder der Aussage von Christus, er sei das „Licht der Welt“, begründet. Symbolisch betrachtet sollte Jesus die zum Sonnwendfest gefeierte Sonne als das wahre Licht ersetzen.
Mit der Einsetzung des Christentums als Staatsreligion im Römischen Reich ab 313 n. Chr. war der Siegesweg des Weihnachtsfestes besiegelt. Bis zum 7. und 8. Jahrhundert setzte es sich auch in Deutschland durch. Der Jahresbeginn wurde zur Erhöhung der Symbolkraft ebenfalls auf den 25. Dezember gelegt und verblieb dort bis zur Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahre 1582. Auch wurde, um dem Fest mehr Gewicht zu verleihen und es nicht neben den Saturnalien verblassen zu lassen, die Festzeit auf die vierwöchige Adventszeit und über das Weihnachtsfest hinaus bis zum 6. Januar, dem Tag des vorchristlichen Epiphaniaskultes, ausgedehnt. Dieser Kult ging auf das ägyptische Fest zu Ehren der Geburt des Aion durch die Jungfrau Kore (s.o.) zurück. Seitdem Julius Caesar beim Überschreiten des Rubikon vom Volk als Heiland und lebendiger Gott umjubelt worden war, feierte Epiphanias das glückverheißende Erscheinen des römischen Herrschers. Von den Christen wurde Epiphanias kurzerhand in den Tag der Ankunft der Heiligen Drei Könige umgewandelt.
So werden wir nun als Christen die Geburt Jesu auch in diesem Jahr wieder zu Weihnachten feiern, doch auch für Nicht-Christen finden sich gute Gründe, diese Tage festlich zu begehen, bedenkt man die lange Tradition dieser Feiertage.
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