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Es dudeln die Lieder: La Zampogna
Was Sie in Italien so alles finden können, werden Sie kaum glauben. Wenn Sie das Wort „Dudelsack“ hören, dann denken Sie natürlich sofort an Schottland, an Männer in Kilts, an Berge mit endlosen grünen Wiesen, an Schafe, an Loch Ness, an Ungeheuer, Burgen, dunkle Wolken und an Whiskey. Aber garantiert denkt niemand ausgerechnet an Italien.
Und doch: Es gibt den italienischen Dudelsack! „La Zampogna“ war früher in Italien weit verbreitet. Obwohl sie mehr und mehr in Vergessenheit gerät, ist sie im Süden Italiens und auf Sizilien immer noch beliebt. Im Norden Italiens ist sie hingegen vollständig verschwunden. Es gibt unterschiedliche Instrumente, die aus einem bis drei Knöpfen bestehen, die die typischen unveränderbaren Töne erzeugen, aus einem bis mehreren Rohren zur Erzeugung der Musik und aus einem Luftsack aus Fell oder Gummi (z.B. alten Reifen), der der Luftreserve dient.
Die Luft wird vom Spieler durch ein Rohr in den Sack geblasen oder durch einen kleinen Blasebalg hineinbefördert. Durch diese Luftreserve ist es möglich, ununterbrochen weiterzuspielen. Da somit der Sack stets gefüllt bleibt, kann die Zampogna keine Pausen ausführen. Dem Spieler ist es abverlangt, Verzierungen und Diminutionen einzuführen, besonders da, wo lange und wiederholte Noten anzutreffen sind.
Der Legende nach wurde das Instrument vom Gott Saturn erfunden. Der Ursprung der Zampogna liegt weit zurück, vielleicht ist sie nicht ganz so alt wie die Flöte, aber schon Ägypter, Griechen und Römer benutzten derartige Instrumente. Die Zampogna der alten Römer hieß „utricularium“ und es heißt, dass Kaiser Nero ein guter Spieler gewesen sein soll. Im Mittelalter wurde das Instrument bei Hofe oder auf den Dorfplätzen gespielt.
Die Zampogna war eine Inspirationsquelle für Musiker und Literaten. So wurde das „Pastorale von Messiah“ von Georg Friedrich Händel durch Volksmelodien der Zampognaspieler inspiriert. Händel lebte zur Zeit der Komposition in Alvito, nahe der Ciociaria, einer Region im südlichen Latium, die noch heute eine Hochburg der Zampognaspieler ist. D.H. Lawrence, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, beschreibt in seinem Roman „The Lost Girl“ ausführlich zwei Zampognaspieler, er selbst hatte kurze Zeit in Latium gelebt.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Zampogna zum Instrument der Hirten. Und so kann es passieren, dass an einem lauschigen Spätnachmittag im Sommer in der einsamen Stille einer süditalienischen Weidelandschaft aus der Ferne die Klänge einer Zampogna herübergeweht werden. Nur der Duft der Kräuter und Blumen auf den Wiesen, deren Halme sich in einer leichten Brise wiegen, sind die Begleiter des Hirten, der sich zu einer musischen Ruhestunde am Rande seiner Schafherde im Gras niedergelassen hat.
Nichts Schmeichelhaftes bedeutet hingegen der Ausdruck „er ist ein Zampognaspieler“, was heißt, dass er faul und grobschlächtig sei, also nichts anderes, als ein den ganzen Tag im Grase Zampogna spielender Nichtsnutz.
Die Zampogna begleitete besonders in der Gegend der Ciociaria bedauernswerte Tanzbären, denn hier war es noch bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein Sitte, kleine Bären, deren Mütter man getötet hatte, mit Schafs- und Ziegenmilch aufzuziehen und dann später, einen Ring durch die Nase gezogen, auf den Marktplätzen zur Zampognamusik auftreten zu lassen. Diese Bären waren auch ein Exportschlager der Region, sie wurden nach ganz Europa verkauft.
Stets wird die Zampognamusik von einem Mann allein oder höchstens von zwei Hirten gespielt. Dies hängt mit dem einsamen Leben der Hirten zusammen. Zur Weihnachtszeit, so hat es sich eingebürgert, treten auch heute noch die Hirten mit ihren Instrumenten auf den Dorfplätzen auf, ansonsten richtet sich ihre Musik höchstens an eine kleine familiäre Gruppe. In Apulien ziehen die Hirten ab September mit ihren Instrumenten von Tür zu Tür und verlangen als Lohn ein Glas Öl, Wein oder Geld. Sie wandern bis in das Gebiet von Neapel, um dort während des Festes der Unbefleckten Empfängnis und zu Weihnachten zu spielen.
In Latium herrscht der alte Brauch, einem frisch vermählten Ehepaar, von denen einer zuvor verwitwet war, drei Abende lang vor dem Haus eine Katzenmusik mit einer genialen Disharmonie der Instrumente darzubringen. Hierbei spielt die Zampogna eine bedeutende Rolle. Nach vollbrachtem Spektakel zieht die Musikantengruppe durch die Straßen des Dorfes weiter, dabei die Höllenmusik ungehindert fortsetzend.
In Acquafondata in der Region der Ciociaria findet jährlich Anfang Januar das große Fest der Zampogna fest, bei dem die Spieler der Region zusammentreffen um gemeinsam zu spielen, zu feiern und natürlich zu trinken. Sie haben es sich zum erklärten Ziel gesetzt, die Tradition des Zampognaspiels zu erhalten und über die Generationen weiterzugeben.
Zampone bedeutet übrigens Schweinefuß. Offensichtlich leitet sich der Name des italienischen Dudelsacks hiervon ab. Es ist sicherlich nicht zu vermuten, dass Schweinefüße bei der Herstellung der Zampogna einmal eine Rolle gespielt haben, vielleicht stammt der Name einfach nur von ihrer Unförmigkeit oder den Anhängseln am Instrument.
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