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Ein Tröpfchen in Ehren...: Prosecco
Häufig wird der Begriff Prosecco als Synonym für trockenen italienischen Sekt verwendet. Tatsächlich ist der Bestandteil "secco" in dem Wort rein zufällig, denn Prosecco ist ursprünglich der Name einer alten Rebsorte aus Venetien, deren Geschichte bis in römische Zeit zurück reicht.
Die Heimat des Prosecco ist ein weitläufiges Hügelgebiet in der Provinz Treviso, durch dessen Mitte der Piave fließt. Zwischen Conegliano und Vittorio Veneto verläuft die Strada del Vino Bianco, die Weißweinstraße. Die Strada del Prosecco verbindet Conegliano und Valdobbiadene und führt auf der anderen Seite des Piave in das Hügelgebiet Montello hinein, ein bekanntes Weinbaugebiet, in dem es außerdem viele herrliche Villen zu sehen gibt. Inmitten der Cartizze bei Valdobbiadene wurzelt der Mythos des Prosecco.
Die Bergbauern haben vor vielen Jahrhunderten genau hier den Prosecco erfunden, oder vielmehr: Sie haben ihn mehr oder weniger durch Zufall entdeckt. Den Sommer über lebten sie damals in kleinen Hütten im Weinberg, die bis in 500 m Höhe lagen. Dort kelterten sie im Herbst auch ihre Proseccotrauben. Schon im November jedoch werden die Nächte in dieser Höhe sehr kalt. Das war für die Pioniere des Prosecco die Zeit, in ihre Winterquartiere am Ufer des Piave zurückzukehren. Die gärenden Moste ließen sie zurück. Bei ihrer Rückkehr im Frühjahr fanden die Bergbauern das Ergebnis einer erstaunlichen Verwandlung: Die ganze Hütte duftete nach Äpfeln, die Weine sprudelten ein wenig - und waren süß. Man muss sich vor Augen halten, dass in jenen Tagen die meisten Weine ziemliche Säuerlinge waren. Süßstoffe wie Zucker und Honig konnten sich nur die reichsten Stadtbewohner leisten. So verbreitete sich die Kunde vom bäuerlichen Nektar aus Valdobbiadene schon in jenen Tagen wie ein Lauffeuer. Der ursprüngliche Prosecco muss das Resultat von Gärstockungen durch die Kälte gewesen sein. Sicherlich war er nicht sehr sauber, wenn man unsere heutigen Maßstäbe anlegt.
Viele Jahre lang kannte man den Prosecco wirklich nur im Veneto - und vielleicht noch in den größeren Städten Italiens. Er blieb über lange Zeit ein klassischer Dessertwein, der nach dem Essen getrunken wurde. Er war semi-sec, das heisst, es war ein leicht lieblicher Wein, mit dem man eine große Mahlzeit zu krönen pflegte. Man trank ihn an Weihnachten zum Panetone, an Hochzeiten oder nach einer Beerdigung. Dieser Konsum war natürlich begrenzt und es wurde weniger produziert als heute. Dann, Ende der 50er Jahre begann man trockenen Prosecco herzustellen. Und weil man ihn nun auch als Aperitif servierte, wurde er viel populärer.
Moderner Prosecco wird im Drucktank kontrolliert vergoren. So lassen sich Restzucker und Kohlensäure genau dosieren, und außerdem kann man das Traubenaroma besser schonen. Die Süße des Prosecco spielt heute keine ganz so große Rolle mehr wie früher.
Zwar schätzt der italienische Inlandsmarkt die meist als "dry" ausgebauten Weine aus den Cartizze sehr - und honoriert sie mit saftigen Preisen. Doch gerade im Export erfreuen sich die raffiniert balancierten "extra dry"-Typen und die knackigen "brut"-Versionen größerer Beliebtheit. Die Herstellung der hochwertigen Spumante ähnelt dem Champagnerverfahren, die Wiedergärung erfolgt also in der Flasche auf dem eigenen Hefedepot.
Als halbtrockene Weine werden außerdem auch "Frizzante"-Weine produziert. Der Frizzante hat einen dezenten, lieblichen und moussierenden Charakter. Er entsteht durch eine zweite Gärung im Tank, vergleichbar mit einfachem Sekt, aber mit weniger Druck in der Flasche. Deshalb darf dieser nicht als Sekt deklariert werden, sondern als Perlwein. Darüber hinaus gibt es noch den stillen Prosecco (Prosecco fermo), dessen Herstellung die wohl größte Kunst erfordert. Als Stillwein ist die Sorte außerhalb Italiens eher selten - und dies, obwohl es einige besonders köstliche Weißweine aus dieser Sorte gibt.
Ein Grund, warum die Cartizze und generell die Weinberge um Valdobbiadene so berühmt wurden, ist ihr karger, steiniger Untergrund. Am östlichen Ende des Anbaugebiets, in der Gegend von Conegliano, sind die Böden lehmiger, und der Prosecco erhält mehr Schmelz. Doch nur in den besten Weinen Valdobbiadenes kann man neben dem sortentypischen Apfelduft mineralische Noten finden, Spuren des Untergrundes, die vom Geruch nach feuchten Steinen bis zu intensiven Feuersteinaromen reichen. Die meisten Prosecchi schmecken frisch am besten.
"Der Prosecco ist ein Wein von Monaten, nicht von Jahren" sagen die Produzenten.
Prosecco im statistischen Überblick:
Die DOC Prosecchi sind Prosecco di Conegilano Valdobbiadene, Prosecco di Valdobbiadene oder Superiore di Cartizze
Anbaufläche: 3480 Hektar (1990: 2868 Hektar)
Produktion: 236 451 hl (1990: 178 464 hl)
Export: 5 Millionen Flaschen (1994: 4 Millionen Flaschen), davon 70% in deutschsprachige Länder.
Gesamtproduktion: 27 Millionen Flaschen (2 Mio. Weißwein, 4 Mio. Frizzante, 21 Mio. Spumante)
Anzahl Rebbesitzer: mehr als 2000
Höchstertrag: 12000 Kilo pro Hektar
Traubensorten: Prosecco wird aus Proseccotrauben hergestellt. Der Verschnitt der Pinot grigio, Pinot bianco, Verdiso und Chardonnay ist bis zu 15 Prozent erlaubt.
Alkohol: Der Alkoholgehalt beträgt beim Prosecco ca. 11,5%.
Restzucker: Je nach Restzuckergehalt lässt sich der Prosecco in die unterschiedlichen Geschmacksklassen einteilen: Der Zuckerrest beim Brut beträgt etwa 0-15 Promille, bei extra Dry ca. 12-20 Promille und beim Dry ca. 18-35 Promille.
Der Name Prosecco ist - im Gegensatz zu Champagner - nicht geschützt. Heute gibt es denn auch, nicht zuletzt infolge der immensen Nachfrage, viele billige Prosecco-Weine auf dem Markt. Namhafte und für Qualität bürgende Produzenten sind u.a.: Ruggeri & C., Armando und Franco Adami, Primo Franco, Ca'Salina.
Der Große Preis des Prosecco und der Weine der Altamarca wird den besten unter den Prosecchi verliehen, um die hochwertige Produktion zu prämieren und um die Hersteller anzureizen, die Qualität zu verbessern.
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