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Ein Leben für den Glamour: Gianni Versace - Feuilleton

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Gianni Versace - Ein Leben für den Glamour

Gianni Versace zählte zu den erfolgreichsten italienischen Modedesignern der 80er und 90er Jahre. Seinen internationalen Durchbruch feierte er mit dem typischen, barock anmutenden "Versace-Stil", bei dem der Modeschöpfer farbenfrohe Stoffe bedruckte, auf denen er griechische, mythologisch angehauchte Kompositionen darstellte.

Gianni Versace wurde am 2. Dezember 1946 in Reggio di Calabria im süditalienischen Kalabrien geboren. Gemeinsam mit seinen Geschwistern Santo und Donatella wuchs er bei seinen Eltern auf. Nachdem er das Abitur abgelegt hatte, absolvierte er 1964 eine Schneiderausbildung bei seiner Mutter. Gianni Versace wurde Stoffeinkäufer des kleinen Familienunternehmens. Seine zehn Jahre jüngere Schwester Donatella spielte schon damals die Muse für ihren modefanatischen Bruder. Sie erzählte später, dass sie bereits im Alter von elf Jahren anfing, ihre Haare zu blondieren und nur Kleider zu tragen, die er speziell für sie anfertigte.

1968 wurde Gianni Versace freier Modedesigner und arbeitete für einige der renommiertesten italienischen Modehersteller. Mitte der 70er Jahre machte er sich selbstständig. 1979 veranstaltete er seine erste Prêt-a-Porter Show und eröffnete in Mailand die erste Boutique. Er teilte sich eine Wohnung mit Donatella, deren Talent als Muse und Kritikerin er weiterhin schätzte. Er widmete ihr das schwül-barocke Parfum „Blonde“ und gab ihr das eigene Diffusion-Label „Versus“.

In den 80er Jahren feierte er seinen internationalen Durchbruch als Modedesigner. Als prägnanter Impuls erschien in zahlreichen Kreationen das griechisch anmutende Gesicht der "Medusa", welches auch Bestanteil des Firmenlogos wurde.

"Wir Designer", so pflegte er sich bescheiden zu äußern, "erfinden überhaupt nichts. Alles ist schon da gewesen und wir geben den Dingen nur eine neue Perspektive".

Die exzentrischen und oft sehr grellen Kollektionen Versaces waren stets von der Pop-Kultur, der Streetfashion und von seinem beeindruckenden Wissen über Kunst und Mode inspiriert.
Seine Schöpfungen sind wie die venezianische Stofflichkeit und Leiblichkeit eines Tizian, seine Modelle verkörpern das Generöse, Orgiastische, Maßlose. Der griechischen Antike entnahm Gianni Versace den bildhaften Ausdruck der Affekte, des heidnischen Rausches und der Ekstase. Versace-Entwürfe, auch die für Männer-Mode, wirken stets sehr glamourös, auffällig und besonders sexy.

Die Reihe seiner Designs reicht von asymmetrischen, körperbetonten Kostümen über grelle, bedruckte Kleider, Outfits in Leder und aus Metallmaschen bis hin zu wundervollen Abendkleidern und exotischen Theaterkostümen. Der Blick auf die kunsthandwerkliche Seite Versaces zeigt seinen enormen Einfallsreichtum bezogen auf die verwendeten Materialien, z.B. Metallmaschen, die man wie feinste Seide drapieren konnte. Er setzte innovative Techniken bei den Webmethoden ein. Einzigartig war sein Gespür für ungewöhnliche Kombination, z. B. Karostoffe mit barocker Stickerei, Denim mit Damast, Leder mit Seide, Jute mit Gold, Plastik und PVC. Er behandelte Leder und Metall wie delikate Stoffe, überlud zarte Crepe-Stoffe mit schweren Gold-Nieten, verband Elemente aus verschiedenen Jahrhunderten und Prints aus verschiedenen Kulturen. Sein Lieblingsstoffdruck war "Wild Baroque", in dem er barocke Architekturelemente und Leopardenmuster zusammenfügte. Typisch für seine Modelle sind extrem hohe Schlitze, megakurze Röcke, enge Kleider, asymmetrische Schnitte und Drapierungen.

"Guter Geschmack interessiert mich nicht", soll er einmal gesagt haben, und „es gibt kein Zuviel“. Auf Bedenken, die seinen kühnen Kombinationen entgegengebracht wurde, antwortete er: "Warum nicht?"

Seine ausgefallene Mode war nicht für die Schüchternen gemacht. Immer mussten Luxus, Prahlerei und Sex dabei im Spiel sein, selbst bei seinen scheinbar zurückhaltendsten Stücken. Richard Martin, Kurator des Metropolitan Museum in New York schrieb einmal über Versace: "Er entwarf für das Begehren." Versaces Schöpfungen wurden von Prinzessin Diana, Madonna, Sting, Demi Moore, Prince, Kim Basinger und Elton John getragen.

Das britische Model Liz Hurley, Ex- Freundin von Hugh Grant, gelangte mit einer typischen Versace-Kreation zu Weltruhm. Ihr Auftritt in einem mit goldenen Sicherheitsnadeln zusammengehaltenen, tief ausgeschnittenen Kleid zur Premiere von "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" machte Modegeschichte.

Große Anerkennung fand Gianni Versace 1985, als Arbeiten aus seiner Kollektion im Albert Museum in London ausgestellt wurden.

1988 zeichnete der Cutty Sark Award Versace als "den innovativsten und kreativsten Designer der Welt" aus. 1993 erhielt er vom Verband der amerikanischen Modeschöpfer den American Fashion Oscar.

Das Haus Versace begann schließlich neben der Damen- und Herrenmode auch Accessoires, Möbel, Geschirr und zahlreiche weitere Einrichtungs- und Dekorationsartikel im typischen "Versace-Stil" herzustellten.

Gianni Versace, der sich in den USA niedergelassen hatte, wurde am 15. Juli 1997 vor seiner opulenten Villa in Miami ermordet. Man vermutete den Racheakt eines Liebhabers des schwulen Modemachers, dessen promiskes Leben berüchtigt war und der aus seiner Homosexualität nie ein Geheimnis machte. Zu Hunderten scharten sich seine fassungslosen Bewunderer hinter den Polizeisperren am Ocean Drive, der palmengesäumten Hauptstraße von Miami Beach. Der Hauptverdächtige, ein Callboy, wurde wenige Tage später in einem Bootshaus tot aufgefunden.

Nach Gianni Versaces Tod übernahmen Schwester Donatella und Bruder Santos die Firma. Donatellas Stil ähnelt dem ihres Bruders sehr stark. Aber auch wenn der Unterschied nur minimal ist, fällt er dennoch auf. Sie versucht in Ihren Kollektionen mehr mit dem Zeitgeist zu gehen, um die Marke Versace auch für die Jugend interessant zu machen.

 

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