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Die rätselhafteste Italienerin: La Mona Lisa
Eine der berühmtesten Italienerinnen ist hier unser Thema: die Mona Lisa. Und dabei weiß niemand, wer sie eigentlich war und wie sie hieß. Das Bildnis ist von Rätseln umwoben, und vielleicht liegt darin die Ursache seines größten Geheimnisses: Warum ist gerade dieses Bild das berühmteste Gemälde der Welt?
Wenn man sie im Pariser Louvre besuchen möchte, dann helfen praktische Wegweiser, die den schnellsten Weg zur Mona Lisa zeigen. Und viele von den 22.000 Besuchern, die der Louvre täglich zählt, stürmen zielstrebig an unschätzbaren Kostbarkeiten vorbei, hin zu ihr. Man weiß es sofort, wenn man den Raum erreicht hat, in dem sie hängt, denn das verrät allein die Menschentraube vor der Absperrung. Besonders dicht kann man auch dann nicht an sie heran, wenn man sich in die erste Reihe vorgekämpft hat. Und da die Mona Lisa mit 76,8 x 53 cm nicht besonders groß ist, ist so mancher Besucher recht enttäuscht.
Die Mona Lisa hängt hinter Panzerglas, weil sie 1956 zweimal attackiert wurde. Einmal schüttete ein Unbekannter Säure auf sie, wobei die untere Hälfte schwer beschädigt wurde. Noch im gleichen Jahr, mittlerweile hing sie hinter Glas, warf ein Besucher einen Stein auf sie, wobei das Glas zersplitterte und der linke Ellenbogen beschädigt wurde. Der Mann, ein Bolivianer, wurde daraufhin aus seinem Heimatland Bolivien ausgewiesen, die Mona Lisa verschwand hinter Panzerglas.
Doch dies waren nicht die einzigen Verwirrungen, die die Mona Lisa in den 500 Jahren ihrer Existenz überstehen musste. 1911 wurde sie von einem Italiener gestohlen, der sie zwei Jahre lang in einem Wandloch versteckte. Beim Versuch, sie zu verkaufen, wurde er schließlich gefasst. Er gab an, dass er das Bildnis zurück in seine Heimat Italien habe bringen wollen und tatsächlich entbrannte eine heftige Diskussion in Italien, ob man die Mona Lisa an den Louvre zurück geben sollte. Nach einer Tournee durch Italien kehrte sie schließlich mit einer großen Zeremonie zurück nach Frankreich, denn König Franz I hatte sie von Leonardo da Vinci selbst um 1518 rechtmäßig erworben.
Auch Napoleon gefiel das Bild, er nutzte seine Macht dazu, sie im Louvre abzuhängen und in seinem Schlafzimmer wieder aufzuhängen. Man musste ihn erst in die Verbannung nach St. Helena schicken, um die Mona Lisa zurückzubekommen.
Alle Versuche, das Geheimnis der Mona Lisa zu enträtseln, werfen am Ende nur immer neue Fragen auf. Die erste große Frage ist, wen die Mona Lisa eigentlich darstellt. Ihre erste Erwähnung findet sie durch den Kunsthistoriker Giorgio Vasari im 16. Jahrhundert. Vasari stellte die Behauptung auf, es handle sich um das Portrait der Lisa del Giocondo, der Gemahlin eines Florentiner Kaufmanns, der tatsächlich ein Porträt seiner Frau bei Leonardo da Vinci in Auftrag gab. Von Vasari stammt der Name des Bildes, wobei Mona einfach die Abkürzung von Madonna, also Frau, ist. Er nannte sie auch „La Gioconda“, und zwar nicht nur wegen ihres Nachnamens, denn das heißt „Die Heitere“.
Doch unter Wissenschaftlern ist Vasaris These sehr umstritten. Manche behaupten, es handle sich um ein Bildnis der Isabella von Aragonien, die Ende des 15. Jahrhunderts am Mailänder Hof lebte. Auch Leonardo lebte in dieser Zeit in Mailand, und es mag sein, dass das Bild dort entstand, gesichert ist aber auch die genaue Zeit seiner Entstehung nicht. Vasari hielt fest, das Bild sei zwischen 1500 und 1506 entstanden und nach vierjähriger Malerei noch immer nicht fertig gewesen.
Doch die Spekulationen um die Identität der Mona Lisa wurden noch wilder: Manche Gruppen vermuten, dass es sich bei der Mona Lisa gar nicht um eine Frau handelt. Sieht sie nicht Selbstportraits von Leonardo verblüffend ähnlich? Könnte der mutmaßlich latent homosexuelle Leonardo sich selbst als Frau dargestellt haben? Oder hat er seinen Adoptivsohn Giacomo de Capriotti dargestellt? Vielleicht war die Dargestellte eine Geliebte Leonardos? Ist es am Ende ein Bildnis von Leonardos Mutter? Oder hat Leonardo einfach nur das ideale Portrait malen wollen, mit anderen Worten, es gibt gar kein reales Vorbild?
Fragen über Fragen, auf die sich womöglich nie eine gesicherte Antwort finden lassen wird. Wenden wir uns einem Aspekt zu, der leichter zu beantworten ist: Welche besonderen Maltechniken hat Leonardo angewendet?
Die Mona Lisa ist ein Musterstück von Leonardos Bestreben, eine Einheit von Wissenschaft und Kunst zu schaffen. Tatsächlich hat er das Bild bis kurz vor seinem Tod nicht aus der Hand gegeben und über mehrere Jahre hinweg immer wieder Verbesserungen daran vorgenommen.
Die Mona Lisa ist im sogenannten sfumato gemalt, einer Verschleierung der Konturen im Bildvordergrund, die bewirkt, dass die Mona Lisa leicht unscharf erscheint. Diesen Stil hat Leonardo entwickelt, weil er beobachtet hatte, dass beim binokularen Sehen durch die unterschiedlichen Winkel, mit denen die Augen auf einen Gegenstand gerichtet sind, alles was nah vor dem Auge ist ganz leicht verschwommen wirkt. Der sfumato besteht aus vielen hauchdünnen Schichten, die Leonardo in mühevoller Arbeit, vielleicht sogar mit Hilfe einer Lupe, aufgetragen hat. Die Anwendung dieser Maltechnik lässt die Mona Lisa auch nach 500 Jahren noch plastisch und lebensnah wirken. Vergleicht man die Mona Lisa mit anderen Portraits aus jener Zeit, so erkennt man, dass diese ihr gegenüber steif, unnatürlich und zweidimensional wirken.
Viel ist gesagt worden über das berühmte Lächeln der Mona Lisa. In Wirklichkeit ist dieses Lächeln nur angedeutet, es spiegelt sich nicht in ihren übrigen Gesichtszügen wie Mundwinkeln oder Augenumgebung. Und deckt man eine Hälfte des Bildes ab, so stellt man fest, dass dieses Lächeln nur auf der rechten Gesichtshälfte erscheint. Überhaupt scheint die rechte Seite des Gemäldes die lebhaftere zu sein, hier gibt es Schatten, Lächeln, einen aktiven Blick sowie einen klareren und belebteren Hintergrund.
Eine wichtige Besonderheit liegt in Mona Lisas Augen verborgen, denn die Mona Lisa schielt. Auch hierin zeigt sich das Genie Leonardos. Er hat diesen dezenten Silberblick entwickelt, um einen ganz besonderen, revolutionären Zweck zu erreichen: Die Augen der Mona Lisa scheinen den Betrachter immer anzusehen, ganz egal, von wo aus er das Bild betrachtet. Diese Technik hat Leonardo erfunden, heute ist sie weit verbreitet.
Zudem hat Leonardo das Bild mit zwei verschiedenen perspektivischen Fluchtpunkten gemalt, einem für die dargestellte Person und einem für den Hintergrund. Das fällt zunächst nicht auf, wohl aber erhält der Betrachter den Eindruck, dass etwas merkwürdig ist, ein Umstand, der die gesamte Rätselhaftigkeit des Bildes verstärkt. Der Hintergrund auf der linken Bildhälfte scheint nicht zum Hintergrund auf der rechten zu passen, außerdem nimmt der Hintergrund mit seiner phantastischen Felslandschaft die Romantik vorweg.
Die Mona Lisa ist mit Öl auf dünnes Pappelholz gemalt. Umstritten ist, ob das Bild irgendwann einmal beschnitten wurde und die am Bildrand angedeuteten Säulen früher ganz zu sehen waren, eine These, gegen die allerdings der vollständige Malrand spricht. Untersuchungen haben gezeigt, dass unter dem Bildnis drei Malversuche liegen. Außerdem entdeckte man einen dünnen Schleier über Mona Lisas Kleid, der mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist und der angeblich im 16. Jahrhundert Symbol einer Schwangerschaft war. Mit hochauflösenden Scans wurden auch Pigmente der Augenbrauen entdeckt, die wohl im Laufe der Jahrhunderte verblasst sind. Andererseits rasierten sich Frauen zur Zeit Mona Lisas die Brauen, so dass es nicht ungewöhnlich ist, dass die Mona Lisa keine Augenbrauen hat.
Mit der Erfindung der Fotografie begann der Siegeszug der Mona Lisa rund um die Welt. Wohl kein anderes Gemälde wurde so oft reproduziert, so oft kopiert und so phantasievoll verfremdet. Marcel Duchamp malte sie mit Bart, Andy Warhol druckte sie in Serie. Max von Schillings widmete ihr eine Oper. Die Zahl der Hommagen an Mona Lisa ist unbegrenzt und wird wohl nur von der Zahl der Fotos, die Besucher des Louvre von ihr geschossen haben, übertroffen. All dies vermag freilich ihren Zauber nicht zu erschüttern. Sie bleibt ein Rätsel. Zurück zur Übersicht |