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Die letzte Diva: Sophia Loren

Italienische Lebensfreude strahlt die Hauptperson dieses Artikels aus: Sophia Loren. Sie sei die letzte wahre Diva, sagte Gianfranco Ferré von ihr, und gerne möchte man sich ihm uneingeschränkt anschließen. In ihr ist der Glamour der großen Zeit des Films aus den Fünfziger und Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf geradezu wundersame Art lebendig geblieben. Denn auch mit 73 Jahren ist sie der Prototyp des großen Stars: grüne Augen, wallendes Haar, sinnlicher Mund, prachtvolle Rundungen, fast noch immer ihre berühmte Wespentaille und dazu bildschön, jederzeit bereit für den ganz großen Auftritt. All dies verdanke sie den Spaghetti, hat sie einmal gesagt, denn sie hat nie einen Hehl aus ihrer großen Liebe zur Pasta gemacht.

Die Auszeichnungen, die sie im Laufe ihres bisherigen Lebens gewonnen hat, aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Es mag reichen, zu erwähnen, dass die Loren als bisher einzige Frau für die Darstellung in einem nicht englischsprachigen Film mit dem Oscar für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet wurde, und zwar 1961 in der italienischen Produktion „La ciociara“ (…und dennoch leben sie) unter der Regie von Vittorio de Sica, mit dem sie ihre meisten Filme drehte. Denn angesichts ihrer üppigen Weiblichkeit wurde oft übersehen, dass sie nicht nur eine schöne Frau, sondern vor allem auch eine hervorragende Schauspielerin ist. Mit Können, enormer Wandlungsfähigkeit und natürlichem Charme verlieh sie ihren Rollen eine unnachahmliche Authentizität und spielte so manchen männlichen Partner an die Wand. Und ihre große Konkurrentin aus jenen Tagen, die andere Sexbombe Italiens, Gina Lollobrigida, hatte gegen die Loren ohnehin nie eine wirkliche Chance.

Was Sophia Loren charakterisiert, ist auf der einen Seite ihre ungeheure erotische Ausstrahlung, sie ist das temperamentvolle, rassige und selbstbewusste Vollblutweib par excellence,  auf der anderen Seite aber ihre Natürlichkeit, Bodenständigkeit, Mütterlichkeit und naive Sittlichkeit. Eine hinreißende Mischung, die sich auch in vielen ihrer Rollen widerspiegelte.

Die Liste ihrer Filmpartner liest sich wie ein Auszug aus dem Who is Who des Hollywoods von gestern: Anthony Quinn, Clark Gable, Cary Grant, Frank Sinatra, Charlton Heston, Paul Newman, Gregory Peck, Richard Burton, Marlon Brando, John Wayne oder Anthony Perkins hießen die Partner in ihren mehr als 100 Filmen. Doch mit keinem anderen verband sie mehr als mit Marcello Mastroianni. Gemeinsam waren sie das heißblütige Traumpaar des italienischen Films. Beider Schauspielkunst war nachgerade perfekt aufeinander eingespielt. Sie seien beide Teile eines gemeinsamen Körpers, soll die Loren einmal gesagt haben. Unter der Regie von Vittorio de Sica erreichten sie Gipfelpunkte mit Filmen wie „Ieri, oggi e domani“ (Gestern, heute und morgen), oder „Matrimonio all´italiana“ (Hochzeit auf Italienisch).

Sophia Loren wurde am 20.09.1934 geboren, allerdings hieß sie damals noch Sophia Villani Scicolone. Ihre Eltern waren nicht verheiratet, und Sophias Vater heiratete die Mutter auch nach der Geburt des zweiten Kindes, Sophias Schwester Maria, nicht. Sophia wuchs mit ihrer Schwester bei der alleinerziehenden Mutter in Pozzuoli, einer Kleinstadt vor den Toren Neapels, auf. Die kleine Familie litt unter bitterer Armut, hinzu kam das Elend des Krieges, dass sich in der Gegend von Neapel besonders stark auswirkte. Die Kinder aus der Nachbarschaft hänselten Sophia, indem sie ihr „Zahnstocher“ hinterher riefen, erzählte sie später in einem Zeitungsinterview.

Doch Sophias Mutter war ehrgeizig und erkannte früh die in der Schönheit ihrer Tochter liegende Chance. Sie schleppte das Mädchen zu Schönheitswettbewerben und bereits mit 14 Jahren gewann Sophia ihre erste Konkurrenz. Angeblich hatte die Mutter das Kleid, in dem sie auftrat, aus einer alten Gardine genäht und ihre schwarzen Schuhe weiß angemalt. Bei einer Schönheitskonkurrenz in Rom 1950 wurde Sophia zweite und lernte den Filmproduzenten Carlo Ponti kennen, der die Sechzehnjährige zunächst kaum wahrnahm. Ponti war 21 Jahre älter, einen Kopf kleiner und wahrlich kein Adonis. Die Beziehung der beiden ungleichen Berühmtheiten sollte die Klatschpresse der folgenden Jahrzehnte füllen. Mochten auch Unkenrufe Sophia unterstellt haben, sie habe sich aus Karrieregründen mit Ponti zusammengetan, Tatsache ist, dass ihre Ehe bis zum Tode Pontis mit 94 Jahren im Januar 2007 skandalfrei und allem Anschein nach erfüllt von Liebe andauerte.

Weniger skandalfrei waren ihre ersten gemeinsamen Jahre, denn Ponti war noch verheiratet. Er ließ sich von seiner Frau in Mexiko scheiden und heiratete 1957 Sophia. Der italienische Staat erkannte aber die Scheidung und damit auch die zweite Ehe nicht an, da das Thema Scheidung im Italien von damals noch ein absolutes Tabu war. Ponti stand unter dem Vorwurf der Bigamie. Die Ehe mit Sophia wurde 1962 annulliert. Ponti, seine erste Frau und Sophia nahmen daraufhin die französische Staatsbürgerschaft an, Ponti ließ sich erneut scheiden und konnte endlich 1966 seine Beziehung zu Sophia legalisieren. Was für ein Umstand!

Ihre filmische Karriere begann 1950 zunächst auf seichtem Niveau. Sie wirkte bei zahlreichen trivialen Fotoromanen mit, die im damaligen Italien sehr beliebt waren, und erhielt Rollen in schlichten Filmchen, in denen die Darstellerinnen vor allem durch Barbusigkeit glänzten. In der großen amerikanischen Produktion „Quo Vadis“, die in Cinecittà gedreht wurde, hatte sie eine Komparsenrolle.

Ponti ermöglichte ihr eine ordentliche schauspielerische Ausbildung und verschaffte ihr erste ernstzunehmende Rollen. Er war es auch, der ihr den klangvollen Namen Sophia Loren gab, den sie fortan statt ihres zungenbrecherischen Geburtsnamens führte. Ponti kaufte alle Billigproduktionen auf, in denen Sophia als Erotikdarstellerin mitgewirkt hatte und die ihrem Ansehen später hätten schaden können. Ihr erster großer Erfolg war 1954 die Darstellung einer einfachen Pizzabäckerin in de Sicas Episodenfilm „L´oro di Napoli“ (Das Gold von Neapel). 1957 entstand ihr erster Hollywoodfilm, „Stolz und Leidenschaft“.

1968 und 1973 wurden ihre beiden Söhne geboren, von denen der jüngere, Edoardo Ponti, inzwischen erfolgreich als Regisseur arbeitet. Carlo, der Ältere, ist Dirigent. Sophias Schwester Maria heiratete einen Sohn Benito Mussolinis, deren Tochter und somit die Nichte Sophia Lorens ist die neofaschistische Politikerin Alessandra Mussolini.

Abgesehen von einer Steuerhinterziehungsaffäre, die Sophia Anfang der Achtziger Jahre für 30 Tage hinter Gitter brachte, wartete die Regenbogenpresse in all den Jahrzehnten vergeblich auf einen Skandal um Sophia Loren. Und als sie sich dann im Alter von 71 Jahren mit erotischen Fotos für den Pirelli Kalender 2007 ablichten ließ, gereichte das nicht mehr zu einem Skandal, sondern trug der Leinwandlegende statt dessen Bewunderung ein.

Unbeschwert verrät die Loren die Geheimnisse ihrer Schönheit, die da wären: jeden Abend um 21 Uhr ins Bett gehen, kein Alkohol, keine Zigaretten, keine gebackenen Auberginen, jeden Morgen 20 Minuten Stretching (vor ihrem Haus am Ufer des Genfer Sees), Gesichtspflege mit Rosenwasser, Haarpflege mit Babyshampoo, ausreichender Genuss von Nudeln und - die Liebe. Abgesehen davon, dass diese Tipps vielleicht nicht ganz so streng gemeint sind, denn sie hat sich das Rauchen erst mit Anfang 50 abgewöhnt, wäre es wohl ein echtes Problem, auf die Auberginen zu verzichten. Wer hingegen Sophias Leidenschaft zur Nudel teilt, dem sei ihr Kochbuch „Rezepte & Erinnerungen“ empfohlen.

von Almut Irmscher im Januar 2008
© Sempre Italia GmbH

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