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Dallas am Arno: Gucci und der Gucci-Clan
Herausragendes Design hat eine unverwechselbare italienische Art des Stils geschaffen, die aus der Welt des Glamours nicht wegzudenken ist. Einer der edelsten Namen dieser Welt ist Gucci, verbunden mit Assoziationen von Luxus, Schönheit und Eleganz. Doch die Geschichte des Hauses Gucci ist keineswegs ein Spiegel des italienischen Dolce Vita, sie erinnert in Strecken mehr an Familiendramen vom Ausmaß amerikanischer Soaps aus den 80er Jahren.
Anfang des vergangenen Jahrhunderts gründete der erst 23jährige Guccio Gucci in Florenz eine kleine auf Reitsportartikel spezialisierte Sattlerei. Der Laden existierte allerdings nicht lange. Guccio verbrachte die nächsten Jahre in London, wo er sich als Liftboy und Maître d´Hotel im Savoy Hotel verdingte. Hier knüpfte er die entscheidenden Kontakte zur Modewelt und entwickelte sein Gespür für Schönheit und Ästhetik. Vor allem aber wurde ihm klar, dass der Beginn des Reisezeitalters einen riesigen Bedarf an Koffern, Hutschachteln und Taschen hervorrief, und dass betuchte Adelige, Industrielle und Theaterstars Wert auf exklusives Reisegepäck legten. Reich an Erfahrungen kehrte er Anfang der 20er Jahre nach Florenz zurück und eröffnete erneut einen Laden, diesmal jedoch spezialisiert auf edle Lederwaren aus eigener Werkstatt. Die herausragende Qualität seiner Produkte sprach sich schnell herum und zog den verdienten Erfolg nach sich. Die Angebotspalette wuchs und 1938 wurde die erste Filiale in Roms vornehmer Geschäftsstraße Via Condotti eröffnet. Guccios Söhne übernahmen die Leitung der Filialen in Rom, Florenz und Mailand.
Guccios Talent bestand die Bewährungsprobe, die der Zweite Weltkrieg mit sich brachte. Materialverknappung erschwerte seine Arbeit, und so griff er kurzerhand zu alternativen Materialien wie Bambus, Jute, Hanf oder Leinen. Dieser Coup sollte zu einem unverwechselbaren Bestandteil des Gucci-Designs bis auf den heutigen Tag werden. Die Bambushandtasche, die Guccio 1947 entwarf, wurde zum Symbol der Marke und ist bis auf den heutigen Tag erhältlich.
Die 50er Jahre begannen mit dem Tode Guccios. Seinen Söhnen gelang es trotz ihrer heftigen Erbstreitigkeiten, die Erfolgsstory weiterzuschreiben. Sie eröffneten Stores in Paris, in London, in New York, in Beverly Hills und in Palm Beach und lockten die Kundschaft mit einer erweiterten Kollektion, die nun auch mit Strickwaren und dem berühmten „Loafer“ aufwartete, dem Mokassin, der 1953 vom Label Gucci entworfen worden war. Die Berühmtheiten dieser Jahre kauften bei Gucci, und Namen wie Ingrid Bergmann, Anita Ekberg, Ava Gardner, Kim Novak, Audrey Hepburn, Ursula Andress, Sophia Loren oder Liz Taylor sorgen dafür, dass der Name Gucci mit Hollywood-Glamour verbunden wurde.
Für Grace Kelley wurde der legendäre Seidenschal „Flora“ mit Blütendruck kreiert, für Jackie Kennedy die Schultertasche, die bis heute unter dem Namen „Jackie O“ verkauft wird. Jackie Kennedy machte Gucci-Accessoires zu den prägenden Elementen ihres Stils und trug damit wesentlich dazu bei, dass der internationale Jetset spätestens seit den 60er Jahren auf Gucci schwor. Guccis Mokassin und die legendäre Bambus-Handtasche wurden Teil der permanenten Kollektion des Costume Institute im New Yorker Metropolitan Museum of Art.
Ende der 60er Jahre wurde das berühmte Logo mit den beiden ineinandergreifenden Gs eingeführt und in den 70er Jahren erschloss man den expandierenden Markt für Luxusgüter in Japan und in Hongkong.
„Halston, Gucci, Fiorucci, this man is dressed to kill“, das war das Erfolgsrezept des „Greatest Dancer“, den die Sister Sledge in den 70ern besangen. Halston und Fiorucci kennt heutzutage kaum noch jemand, und die Marke Gucci hätte um Haaresbreite das gleiche Schicksal ereilt. Nachdem Gucci Anfang der 80er Jahre in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war, übernahm Maurizio Gucci, der Enkel des Firmengründers, 50 % der Anteile und die Firmenleitung. Er hatte nach und nach alle übrigen Verwandten geschickt aus dem Unternehmen gedrängt und sich auf diese Art zahllose Feinde geschaffen.
Seine Geschäftsideen waren zunächst wenig erfolgreich. Hemmungslose Billigangebote und der massenweise Verkauf von Lizenzen führten dazu, dass das Image der Marke enorm litt. Hinzu kamen anhaltende Erbstreitigkeiten und gerichtliche Auseinandersetzungen, die schließlich dazu führten, dass die anderen 50 % der Anteile 1989 an eine Investmentcorporation aus Bahrein verkauft wurden.
Maurizio entschloss sich zu einem mutigen Schritt und engagierte den Jungdesigner Tom Ford, dessen gewagte Modenschau ihm seinen größten Erfolg bescherte. Unter Fords kreativer Leitung wurde Gucci in den Folgejahren wieder zum begehrten Trend-Label. Firmenchef Maurizio genoss seinen Erfolg in vollen Zügen. Er schaffte einen Firmenjet, zwei Ferraris und eine Luxusyacht an und lebte im Stil eines Renaissancefürsten. Sein verschwenderischer Lebensstil trieb das Unternehmen an den Rand des Ruins, das Personal konnte nicht bezahlt werden und streikte. Die arabischen Investoren übernahmen sein Aktienpaket und setzen ihn vor die Tür.
Zwei Jahre später, 1995, wurde er von einem Profikiller in Mailand auf offener Straße erschossen. In einem spektakulären Prozess wurde seine Ex-Frau Patrizia Reggiani für schuldig befunden, den Mord in Auftrag gegeben zu haben und zu 29 Jahren Haft verurteilt. Zwar bestritt sie ihre Schuld, doch hatte sie ihre Mordwünsche zuvor immer wieder öffentlich geäußert. Angeblich war sie wütend, dass er sie wegen einer anderen verlassen hatte und fürchtete um das Erbe ihrer Töchter, sollte ihr Exmann seine neue Lebensgefährtin heiraten. Ihr Hang zum Okkulten hatte sie mit der neapolitanischen Wahrsagerin Pina Auriemma zusammengeführt, mit der sie viele Jahre eng befreundet war. Diese Wahrsagerin suchte und fand schließlich den Mörder für sie. Alle Beteiligten wurden zu langen Haftstrafen verurteilt, Patrizia Reggianis Strafe im Berufungsverfahren schließlich auf 26 Jahre herabgesetzt. Wenige Jahre später versuchte sie sich im Gefängnis zu erhängen, wurde aber gerettet.
Das Familiendrama der Guccis verarbeitete die amerikanische Schriftstellerin Sara Gay Forden zu dem Erfolgsroman „Mode, Mord und Business“. Und Starregisseur Ridley Scott sorgt schon bevor die erste Klappe gefallen ist für einen Reisenwirbel mit der Ankündigung der Verfilmung der Gucci-Saga als Thriller. Die Familie läuft Sturm gegen das Projekt und versucht, es mit rechtlichen Mitteln zu stoppen. Die Guccis seien nicht das italienische Dallas, empörte sich Patrizia Gucci, Urenkelin des Firmengründers.
Mögen sich die Guccis weiter streiten, aus dem Unternehmen ist die Familie längst ausgeschieden. Die arabischen Investoren hielten nach Maurizios Abgang 100 % der Marke und holten den bisherigen Amerikachef Domenico de Sole auf den Präsidentensessel, der das Unternehmen mit geschicktem Management wieder auf Kurs brachte. Mitte der 90er wurden die Anteile wieder an die Börse gebracht, nach langem Ringen hält nun der französische Luxuskonzern Pinault-Printemps-Redoute seit 1999 53,2 % an Gucci. Unter der neuen Leitung feierte das Unternehmen 2006 sein 85jähriges Jubiläum. Design-Chefin ist seit 2002 Frida Giannini, und unter ihr steht das Unternehmen, das noch 1994 gerade einmal 264 Millionen Dollar umgesetzt hatte, mit 1,8 Milliarden Jahresumsatz so gut da wie nie zuvor. Dem Texaner Tom Ford war es bei allem Erfolg mit Accessoires nicht gelungen, auch den Kleiderkollektionen Guccis zum Durchbruch zu verhelfen. Frieda Giannini setzte auf helle Farben und luftige Stoffe, damit verabschiedete sie sich vom gewohnten düsteren Femme-Fatale-Stil Tom Fords – und hatte Erfolg. In dem retrospektiven Bildband „Gucci by Gucci“ feiert das Unternehmen sich anlässlich des 85jährigen Bestehens und veröffentlicht erstmals die glamourösen Bilder aus seinem streng gehüteten Archiv. Zu sehen sind Stars von Audrey Hepburn bis Madonna mit Gucci-Accessoires und natürlich die legendären Mode-Ikonen, die die Designer in den Jahrzehnten erschufen. Zurück zur Übersicht |