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Buona Pasqua: Das ist Ostern in Italien - Feuilleton

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Buona Pasqua: Das ist Ostern in Italien

Auch die Italiener feiern Ostern, „Pasqua“, doch unterscheiden sich ihre Bräuche von unseren. Der Karfreitag ist in Italien kein Feiertag, dennoch beginnen dann die Osterfeiern in vielen Orten mit einer traurig-besinnlichen Prozession. Zur mahnenden Erinnerung an den Leidensweg Christi wird das Kirchenkreuz langsam durch die Straßen getragen, begleitet von dunkel gekleideten, schweigenden Menschen.

Von den vielen Prozessionen, die in allen Regionen Italiens stattfinden, wollen wir einige der interessantesten als Beispiel herausgreifen. So ziehen in Grassina bei Florenz mehr als 500 Menschen in historischen Kostümen am Karfreitag durch die Straßen bis zum Kalvarienberg. Dieser Brauch entstand aus Dankbarkeit während der Pestepidemie im 14. Jahrhundert, bei der Grassina wie durch ein Wunder verschont blieb. In Assisi wird bereits am Gründonnerstag ein großes Kreuz in der Kathedrale von San Rufino errichtet, das dann am Karfreitag durch die Gassen zur Basilika des Heiligen Franziskus getragen wird. Am Abend folgt, begleitet von vielen Fackelträgern, die Statue der Madonna. Diese Tradition besteht schon seit dem 13. Jahrhundert.

In Taranto in Apulien beginnt das Spektakel bereits am Palmsonntag, wenn die Figuren der Madonna und der Heiligen versteigert werden. Bei Preisen von 10.000 bis 35.000 € ist das kein ganz billiges Vergnügen, doch es sichert die Ehre, die ersteigerte Figur in die Kirche tragen zu dürfen. Die Erlöse dienen dem kostspieligen Fest, das nun folgt. Drei große Prozessionen finden am Gründonnerstag, am Karfreitag und am Ostersamstag statt. Sie sind von geradezu überwältigender Langsamkeit. Für die Strecke von einem Kilometer werden neun Stunden benötigt. Die Teilnehmer tragen spitze Kapuzen mit Sehschlitzen wie bei der berühmten Prozession in der Heiligen Woche in Sevilla. Denn die Tradition, die hier gefeiert wird, hat ihre Wurzeln in der Zeit der spanischen Herrschaft im 16. Jahrhundert.

Besonders Sizilien scheint in der Karwoche eine einzige große Prozession zu sein. Die Stimmung unter der Bevölkerung wechselt in diesen Tagen scheinbar abrupt zwischen verzweifelter Trauer und ausgelassener Freude. Bunte kandierten Mandeln, teilweise zu Figuren gebunden und mit Tüll dekoriert, werden mancherorts feilgeboten. In San Fratello, einem Dorf in der Provinz Messina, verkleiden sich viele Menschen als „Giudei“ (Juden) und lärmen mit Musikinstrumenten, Ketten und anderen Dingen, um vom Leiden Jesu abzulenken. Auf diese Art stören sie dann auch die Karfreitagsprozession. In ganz Sizilien werden in dieser Woche ritualisierte Konflikte ausgetragen, denn jeder Heilige hat hier seine eigenen Anhänger, die mit den Anhängern der anderen Heiligen im teils heftigem Disput stehen.

In Palermo finden in den Kirchen Aufführungen des letzten Abendmahles statt. Die aufwändigeste Karfreitagsfeier findet aber in Trapani mit der „Processione dei Misteri“ statt, einer Prozession, die sage und schreibe 20 Stunden lang ohne Unterbrechung durch die Stadt zieht. Auch hier spiegeln sich die Einflüsse aus der Zeit der spanischen Herrschaft. Während der ganzen Nacht zum Samstag wehen Düfte von Weihrauch, Blumen und Kerzenwachs durch die Straßen. Achtzehn große Skulpturengruppen zeigen die Stationen des Leidenswegs Christi, sie sind das Resultat jahrzehntelanger Arbeit und wohl der größte österliche Kunstschatz Siziliens.

Vielleicht das bizarrste Osterspektakel findet in Prizzi auf Sizilien statt, nämlich der „Trionfo della Morte“, der Triumpf des Todes. Zwei rote Teufel mit stählernen Masken und der gelb gekleidete Tod mit einer Maske aus Leder versetzen die Einwohner in „Angst und Schrecken“. Sie nehmen „Gefangene“, die sie in Lokale entführen, wo sie sich wieder freikaufen können, dazu gibt es natürlich ein Gläschen Wein oder Grappa und die süßen Cannateddi, ein Ostergebäck aus Prizzi. Ganz so groß sind Angst und Schrecken daher vermutlich nicht. Am Abend erscheint dann der wiederauferstandene Jesus zusammen mit Maria und zwei Schutzengeln. Die Teufel tun ihr Bestes, um ein Zusammentreffen dieser mit dem Tod zu vermeiden. Zum guten Schluss umrunden die „Guten“ die „Bösen“ und nehmen diesen die Möglichkeit zur Flucht. Damit ist der Teufelstanz, der „Ballo dei diavoli“ zu Ende.

In Rom sind derweil fromme Büßer die „Heilige Stiege“ auf den Knien hinaufgerutscht, die „Scala Santa“ gegenüber dem Lateranpalast, die angeblich die Stiege sein soll, auf der Jesus zu Verhör durch Pilatus hinaufstieg (sie soll im Jahre 326 von der Heiligen Helena, der Mutter Kaiser Konstantins, von Jerusalem hier her gebracht worden sein). Und der Papst zieht am Abend in einer Prozession die Via Crucis zum Kolosseum hin entlang.

Zu Karfreitag wird in Italien nur Leichtes gegessen, vorzugsweise Fisch. Süßigkeiten und andere Leckereien sind an diesem Tag verpönt. Traditionell segnet der Priester die Eier, die anschließend auf der Mitte eines Tisches dekorativ ausgebreitet und später von den anderen Speisen gerahmt werden. Hier erfüllt sich eine alte Tradition, denn schon in vorchristlicher Zeit galt das Ei als Zeichen der Fruchtbarkeit. Um Ostern herum beginnen die Hühner nach der kargen Winterzeit wieder mit regem Eierlegen, gleichzeitig beginnt es in der ganzen Natur zu blühen und zu wachsen. Das Ei ist also ein Symbol für das Wiedererwachen der Natur. Das Osterfest knüpft an eine uralte Tradition der Freude über die „Widerauferstehung“ des Lebens, die wie viele andere alte Bräuche - z.B. das Vertreiben der Wintergeister als Karneval oder das Lichterfest zur Wintersonnenwende als Weihnachten - vom Christentum adaptiert wurden. In Italien ist durch die Christianisierung das Ei als österliches Symbol in den Hintergrund getreten, denn die Taube als Symbol für Jesus steht hier an erster Stelle. Das Färben von Eiern und auch die fröhliche Eiersuche im Garten gehören nicht zur italienischen Ostertradition, stattdessen verschwinden die Eier, um im Osterkuchen wieder aufzutauchen.

Der ausgelassene Teil des Festes beginnt in der Osternacht mit einem feierlichen Gottesdienst. Obwohl zu keiner Zeit des Jahres so viele Menschen nach Rom pilgern, um den päpstlichen Segen „Urbi et Orbi“ am Ostersonntag vor Ort auf dem Petersplatz zu empfangen, ist Ostern in Italien doch eher ein fröhliches Frühlingsfest geblieben. Den Ostersonntag läutet ein üppiges Frühstück ein, die Kinder freuen sich dann auch in Italien über Schokoladenostereier. Diese sind allerdings nicht wie hierzulande klein und mit Nougat, Nuss oder ähnlichem gefüllt, sondern riesig groß, kitschig bunt und gefüllt mit einer Überraschung, die meist aus einem nicht minder kitschigen Spielzeug besteht.

In Greve in Chianti begeht man den Ostersonntag dazu noch mit einem ungewöhnlichen Brauch: Über den Kirchplatz wird ein Stahlseil gespannt, an dem eine Plastiktaube, angetrieben von einem Feuerwerkskörper, über den Platz und möglichst wieder zurück geschossen wird. Alle Einwohner versammeln sich dazu und begleiten das Spektakel mit angeregten Diskussionen, wilder Gestik, Geschrei und Applaus, um gleich danach wieder in ihren Häusern zu verschwinden. Ein besonderes Osterspektakel findet auch auf der Piazza Duomo in Florenz statt, "Lo scoppio del carro". Da wird ein historischer Karren von zwei riesigen weißen Ochsen durch die Straßen bis zum Dom gezogen. Dann wird ein Stahlseil vom Karren bis zum Altar gespannt und nach dem Ostergottesdienst, beim großen Hallelulja, wird eine Rakete in Form einer Taube entzündet, die am Stahlseil bis zum Karren "fliegt" und dort ein großes Feuerwerk entzündet. Wenn sie den Karren nicht erreicht und das Feuerwerk von Hand entzündet werden muss, wird es ein schlechtes Jahr für Florenz.

„Natale con i tuoi, pasqua con chi vuoi“ – Weihnachten mit der Familie, Ostern mit wem du willst. Getreu diesem Motto verbringt man das Osterfest gerne im großen Kreis, mit Familienangehörigen und vielen Freunden. Das Mittagessen nach der feierlichen Messe am Vormittag zieht sich oft über viele Stunden, begleitet von angeregtem Geplauder. Wie in Deutschland genießt man auch in Italien gerne ein Osterlamm. Den süßen Abschluss des aus vielen Gängen bestehenden Mahles bildet die „Colomba“, eine Art luftiger Gugelhupf, der in Form einer Taube gebacken wird und mit Mandeln und manchmal auch Rosinen dekoriert wird. In den südlichen Regionen gibt es außerdem einen Reiskuchen, denn Reis gilt wie das Ei als Zeichen der Fruchtbarkeit. Hier schenkt man den Frauen Kuchenpuppen, den Männern ein Lamm und den Kindern einen Korb mit Kuchen, Eiern und Milch. Die sonntägliche Osterfeier wird gerne begleitet von fröhlicher Musik und ausgelassenem Tanz.

Am Ostermontag bricht die ganze Familie, meist zusammen mit Freunden, zu einem fröhlichen Ausflug mit gemeinsamem Picknick auf. „Pasquetta“ – kleine Ostern – wird dieser lustige Tag genannt, und hier darf auf keinen Fall die Torta di Pasquetta fehlen, ein herzhafter Kuchen, der mit Eiern, Ricotta und Spinat gefüllt ist und sowohl warm als auch kalt gut schmeckt. Mit Körben voller Leckereien, Klappstühlen und Decken geht es ab ins Freie. Da Ostern auch die Eissaison beginnt, werden die Gelaterien gestürmt und am liebsten gleich alle Geschmacksrichtungen durchprobiert. Das Osterfest endet dann am Abend mit einem romantischen Essen bei Kerzenlicht im Restaurant oder daheim.

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