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Anna Magnani: Eine römische Legende

Die Italiener nannten sie Nannarella oder Mamma Roma. "Anna Magnani entsprach keinesfalls dem Schönheitsideal der Dreißiger- aber die Intensität ihres Blickes, die feurigen, ausdrucksstarken Augen und ihr wirrer Haarwuchs unterstrichen eine Persönlichkeit, der man sich nicht entziehen konnte", sagte die italienische Journalistin Franca Magnani – die übrigens nicht mit ihr verwandt war - über sie. Anna Magnani stieg im italienischen Nachkriegskino zur bedeutendsten Charakterdarstellerin auf. Ihre aus der Lebenswelt der römischen Unterschichten inspirierten temperamentvollen Frauenrollen schienen Anna Magnani derart auf den Leib geschrieben, dass sie ihr internationalen Ruhm und Anerkennung bis nach Hollywood einbrachten.

Anna Magnani wird am 7. März 1908 in Rom als uneheliches Kind einer Italienerin und eines Kalabresen geboren. Sie wächst bei der Großmutter in der Nähe des Kapitols in Rom auf, nachdem ihre Mutter Marina Magnani in Ägypten einen wohlhabenden Österreicher heiratet. Ihren Vater lernt Anna Magnani nie kennen, ihre Mutter erst mit 9 Jahren. Sie studiert Musik an der Accademia di Santa Cecilia, mit 15 Jahren beginnt sie ihr Schauspielstudium an der Accademia d'Arte Drammatica Eleonora Duse. Seit 1926 arbeitet sie intensiv am Theater und tritt in Kabaretts und Nachtclubs auf. Im Theater debütiert sie in der wichtigsten italienischen Theatergruppe von Dario Niccodemi und Vera Vergani. Daran schließt sich eine Tournee nach Südamerika an. 1934 gibt sie mit einer kleinen Rolle ihr Filmdebüt.

Ihre 1935 geschlossene Ehe mit dem Regisseur Geoffredo Alessandrini währt nicht lange. Sie bekommt nun öfter kleine Parts in Filmen. 1941 feiert sie in der Rolle einer Varietetänzerin in Vittorio De Sicas Komödie “Teresa Venerdì - Verliebte Unschuld“ ihren ersten Filmerfolg. Wegen ihrer Schwangerschaft - Vater ist der Schauspieler Massimo Serato - kann sie 1942 Luchino Viscontis Angebot, in seinem später gefeierten Erstlingsfilm 'Besessenheit' die Hauptrolle zu spielen, nicht annehmen. Nach der Geburt ihres Sohnes Luca setzt sie ihre Karriere fort. Luca, der mit 2 ½ Jahren an Kinderlähmung erkrankt, erzieht sie allein.

1945 kommt die Wende mit Roberto Rossellinis legendärem neorealistischen Meisterwerk “Roma città aperta – Rom - offene Stadt“. Der Film, unter extrem schweren Bedingungen in der vom Krieg gezeichneten Stadt gedreht, erzählt die Geschichte einer schwangeren Witwe, die in die Katastrophe getrieben wird. Anna Magnani überrascht mit ihrem unvorstellbaren dramatischen Temperament. Auf der Biennale in Venedig wird sie für ihre brillante schauspielerische Leistung mit ihrem ersten „Nastro d´argento“, dem italienischen Oskar, ausgezeichnet.

Roberto Rossellini und Anna Magnani werden auch privat ein Paar. Gemeinsam drehen sie 1948 „Amore“. Die stürmische Liebesbeziehung endet erst 1950 in einem gewaltigen Skandal, als Rossellini sie wegen Ingrid Bergmann verlässt, die ihrerseits ihren bis dato untadeligen Ruf riskiert, indem sie Mann und Tochter für Rossellini sitzen lässt und ein Kind von Rossellini erwartet. Der Eklat spitzt sich zu, als Anna Magnani mit William Dieterle den Film „Vulcano“ dreht, während Rossellini auf der Nachbarinsel mit Ingrid Bergmann „Stromboli“ dreht. Der „Krieg der zwei Vulkane“ beherrscht die Boulevardpresse seiner Zeit.

1951 dreht Anna Magnani mit Luchino Visconti „Bellissima“. Sie ist herausragend in der Rolle der frustrierten Mutter aus dem Volk, die ihre Sehnsüchte und Träume auf die Tochter projiziert und versucht, aus ihr einen Filmstar zu machen. 1952 spielt sie in Jean Renoirs wunderbarer filmischer Comedia dell´arte „Le carrosse d´or - Die goldene Karosse“ die Rolle der Camilla. Renoir schwärmt von ihr als der besten Schauspielerin, mit der er je zusammengearbeitet hat.

Hollywood wird auf sie aufmerksam - man bietet ihr 1955 die weibliche Hauptrolle in der Verfilmung von Tennessee Williams Theaterstück “The Rose Tattoo - Die tätowierte Rose“ an. Ihr Partner ist Burt Lancaster. Tennessee Williams, der auch das Drehbuch schrieb, hatte von Anfang an Anna Magnani als die ideale Interpretin im Sinn. Für ihre Darstellung der Serafina Delle Rose wird sie als erste Italienerin mit einem Oskar ausgezeichnet. Mit Anthony Quinn spielt sie 1968 in George Cukors „Wild is the Wind – Wild ist der Wind“ und mit Marlon Brando 1959 in Sidney Lumets „The Fugitive Kind – Der Mann mit der Schlangenhaut“.

Nach Italien zurückgekehrt, gelingt ihr 1962 die unvergessliche Darstellung der „Mamma Roma“ in Pier Paolo Pasolinis gleichnamigem Film. Dieser Klassiker macht sie zum Inbegriff der „Romanità“. Danach zog sich Anna Magnani langsam aus dem Filmgeschäft zurück und wandte sich nach langen Jahren wieder dem Theater zu. In dem Stück La Lupa von Verga unter der Regie von Franco Zeffirelli und in der Medea von Anouilh unter der Regie von Giancarlo Menotti feierte sie triumphale Erfolge.

Ihren letzten Auftritt in einem Film hatte sie 1972 in Federico Fellinis „Roma“, wo sie sich selbst spielte. Am 26. September 1973 erlag sie ihrem Krebsleiden. Sie fand ihre letzte Ruhe in Felice Circeo, ihrem Zuhause am Meer, zwei Stunden von Rom entfernt. Rossellini, mit dem sie sich einige Jahre zuvor wieder versöhnt hatte, wich in den letzten Wochen ihrer Krankheit nicht von ihrer Seite. Die meisten international erfolgreichen Kolleginnen Anna Magnanis in den 50er und 60er Jahren galten als Sexsymbole – man denke an Brigitte Bardot, Sophia Loren oder Gina Lollobrigida. Anna Magnani verkörperte mehr die vitalen, erdverbundenen und kraftvollen Frauengestalten aus dem Volk. Dank ihrer überragenden Darstellungskunst wurde sie zu einer der bedeutendsten Schauspielerinnen des italienischen Films. In einer deutschen Illustrierten aus den 50er Jahren heißt es: „Anna Magnani ist die Schauspielerin, in der sich das Gesicht des italienischen Volkes am unmittelbarsten spiegelt: seine elementare Leidenschaft, seine unverbrauchte Kraft zu lieben und zu dulden, sein Pathos des Herzens…“

Der Mythos Anna Magnani hatte sich früh geprägt. Ihr bewegtes Privatleben hat sicherlich zu dieser Mythenbildung beigetragen. In ihren römischen Wohnresidenzen und auch in ihrem Sommerhaus am Meer hatte sie stets eine Menge Freunde um sich geschart. Anna Magnani war bekannt für ihre große Liebe zu Hunden und Katzen – im Alter sollen ihre Wohnungen regelrechten Hundeasylen geglichen haben – und ihr Faible für schnittige Autos.

Von Almut Irmscher
© Sempre Italia GmbH

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